Musikmagazin
Das »Weinberger Concert«-Piano am Prüfstand
Der Test durch Univ.-Prof. Gottfried Hemetsberger
Ein Konzertpiano als Flügelersatz ist die größter Herausforderung im Klavierbau. Wir haben das Weinberger Concert, das im November 2004 auf den Markt gekommen ist, erstmals von einem renommierten Pianisten und Pädagogen testen lassen. Zur Orientierung haben wir im Klavierhaus die Konzertpianos aller Fabrikate, die im Klavierhaus Weinberger zum Kauf angeboten werden, in einer Reihe aufgestellt und sauber gestimmt.
Prof. Gottfried Hemetsberger
Für die Beurteilung konnten wir einen leitenden Universitätsprofessor der Bruckneruni Linz gewinnen, Herrn Univ.-Prof. Gottfried Hemetsberger.
Hier seine Stellungnahme zum Weinberger Concert:
Für der Test des Weinberger Concert fand ich für den direkten Vergleich der verschiedenen zu beurteilenden Bereiche Konzertpianinos der Marken Sauter, Seiler, Yamaha in etwa der gleichen Preiskategorie (von ca. 12.000,– bis 14.000,– Euro), sowie das Bösendorfer Konzertpiano, das erheblich über dem Preis der schon genannten Hersteller liegt, vor.
Der Klang
Die besondere Überraschung beim ersten Kontakt mit dem Weinberger Concert Piano war die überaus ausgeglichene Klangfarbe aller Register von der Basslage bis zum hohen Diskant. Der Charakter des Instrumentes besticht darüber hinaus besonders durch einen hellen und obertonreichen Klang, den wir besonders bei vielen Instrumenten des 19. Jahrhunderts schätzen. Das Piano zeichnet sich neben dem silbrigen Klang aber auch durch überraschend hohe Klangfülle aus, was bei der Saitenlänge eines Pianinos im Verhältnis zum Flügel für jeden Klavierbauer eine fundamentale Herausforderung darstellt. Was die Intonation des Instrumentes betrifft, könnte sie meiner Meinung nach etwas weicher ausfallen, sodass die Wärme des Klanges als weiterer positiver Faktor zum Tragen käme.
Die Mechanik
Grundsätzlich muss zwischen der Flügelmechanik (Doppelrepetition) und einer stehenden Pianinomechanik unterschieden werden. Somit kann auch die Pianomechanik nicht nach den Gesichtspunkten einer Flügelbeurteilung erfolgen. Der üblicherweise beim Piano als Defizit erlebte sehr geringe Tastenwiderstand ist beim Weinberger Concert in keiner Weise negativ aufgefallen. Die Repetitionsmöglichkeiten sind ähnlich wie beim Yamaha Piano SU-131 S jedenfalls im obersten Bereich des Machbaren.
Die Klaviatur
Der Klaviatur kommt als Schnittstelle zwischen dem Pianisten und der Mechanik eines Instrumentes eine besondere Bedeutung zu. Offensichtlich hat sich die Fa. Weinberger bemüht, einen Tastenbelag hoher Qualität zu verwenden, wie wir das sonst nur von ganz bestimmten Flügelmodellen gewöhnt sind. Im Verhältnis auch zu manchen anderen im Vergleich gespielten Klaviere, besticht die natürlich Griffigkeit und minimale Einfärbung der weissen Tasten, so wie wir das von den früheren Elfenbeinklaviaturen gewöhnt waren. Die Tastaturhöhe liegt um einige Zentimeter höher als bei den meisten anderen Fabrikaten. Dieser Umstand wurde bewusst herbeigeführt und sollte auch als Anregung für andere Firmen verstanden werden.
Nach Erhebungen von Hr. Weinberger hat die durchschnittliche Körpergröße eines mitteleuropäischen Mannes seit 1850 um 18 cm zugenommen. Diesen physiologischen Veränderungen wurde aber im Klavierbau nicht gleichermaßen Rechnung getragen. Die etwas höher liegende Tastatur ist aus ergonomischer Sicht für den mittelgroßen Spieler in jedem Fall ein Vorteil. (Bestrebungen für höhenverstellbare Flügel werden derzeit von Fa. Weinberger intensiv verfolgt)
Die Pedale
Die Dämpfungseinrichtung eines Pianinos ist aufgrund der geringeren zur Verfügung stehende Masse der Dämpfer ein mit diesem Instrument generell verbundenes Problem. Auch im Verhältnis zum Bösendorfer Pianino, also der obersten Preisklasse, funktioniert die Dämpfung des Weinberger Concert ganz vorzüglich. Somit ist für den Spieler eigentlich kein Unterschied zur Flügeldämpfung feststellbar. Der Pedalweg und -widerstand ist ebenfalls den Flügelmodellen nachempfunden.
Fazit
Das Weinberger Concert ist aufgrund der oben beschriebenen klanglichen und mechanischen Qualitäten auch im Vergleich zu den am Markt schon etablierten Fabrikaten mehr als konkurrenzfähig. In manchen Bereichen würde ich dem Concert Piano von Weinberger gegenüber einigen anderen Marken sogar den Vorzug geben. Neben der Verwendung als Unterrichtsinstrument für Musikschüler wäre das Pianino auch sehr gut als Zweitinstrument neben einem Flügel für Pianisten bzw. für Unterrichtsräume in Musikinstituten geeignet. Besonders dann, wenn aus Platzgründen kein zweiter Flügel zur Verfügung stehen kann.
Das Studium auf einem Pianino, zumal wenn es sich um ein so hervorragendes Instrument handelt, hat aus pädagogischer Sicht auch ganz spezifische Vorteile. Im technischen Bereich muss wegen der nicht vorhandnen Doppelrepetition bewegungsmäßig besonders präzise agiert werden. Bei der Neueinstudierung eines Werkes kann bewusst die harmonische und formale Erschließung eines Werkes zuerst am Pianino erfolgen und von der späteren, klanglichen Verfeinerung am Flügel getrennt werden. Dies wird und wurde übrigens auch von renommierten Pianisten praktiziert. Einer der führenden französischen Pianisten des 20. Jahrhunderts, Robert Casadesus, hat nach eigenen Berichten ausschließlich nach dieser Methode gearbeitet.

Univ.-Prof. Gottfried Hemetsberger g.hemetsberger@bruckneruni.at
Zahlen und Fakten:
Höhe: 130 cm, Breite: 146 cm, Tiefe: 65 cm
Gewicht: 230 kg; Pedale: 3 (Moderator)
Rastenspreizen: 5
Preis: Euro 11.900,– inkl. USt.
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