Musikmagazin
Frankfurter Musikmesse 2004
Parität zwischen Europa und Asien:

Erstmals in der Geschichte der größten Musikmesse der Welt hatten die Asiaten im Pianosalon etwa gleich viel Standfläche wie die Europäer. Werden wir von China jetzt rechts überholt?

Frankfurter Messesalon
Vom 31. März bis 3. April 2004 fand in Frankfurt am Main zum 25. Mal die größte Ausstellung der Musikindustrie statt. Die Messe wurde entgegen der langjährigen Tradition um einen Tag verkürzt – am Samstag Abend war Schluss. Dies hat die Besucherzahlen nach unten, auf 65.230 gedrückt. Insgesamt präsentierten sich 1.470 Unternehmen auf 110.000 Quadratmetern Fläche und rund 200 Live-Konzerte auf drei Musikbühnen, sowie zahlreiche Workshops dokumentierten den gigantischen Umfang dieser Musikmesse.
Der Pianosalon war leiser
Das ist ein Klaviermagazin. Deshalb waren wir im Pianosalon unterwegs und haben uns dort sehr genau umgesehen. Was die Zusammensetzung der Aussteller anbelangt hat sich der Trend der letzten Jahre fortgesetzt: Die asiatischen Klavierhersteller werden immer mehr. An Standfläche gemessen war Asien heuer bereits so groß wie Europa. Allein im boomenden China gibt es bereits mehr als hundert Klavierhersteller. Das sind zwar nur etwas weniger als die Hälfte, die Wien um 1900 hatte, aber die Chinesen produzieren höhere Stückzahlen. Einige europäische Hersteller haben sich etwas verkleinert. Dies dürfte wohl ein Spiegel der wirtschaftlichen Entwicklung sein, auch wenn das von einigen bestritten wird.

Steinway lässt sich seit mehreren Jahren nicht mehr blicken. Eigentlich unverständlich – die Kollegen aus Hamburg bauen sehr gute Klaviere und Flügel, die den Vergleich nicht zu scheuen brauchen . Auch Bösendorfer war heuer nicht vertreten. Die Klavierbauer aus Wien haben anlässlich ihres 175 Jahr Jubiläums stattdessen 300 Handelspartner zum 1. Internationalen Händlermeeting in ihre Fabrik eingeladen. Die beiden Klaviermarken mit der stärksten Strahlkraft fehlten also. Umso mehr konnte man sich auf das breite Angebot der großen renommierten Namen konzentrieren, die in der Praxis auch am meisten gekauft werden. Durch den harschen Wind der Konkurrenz hat sich die Klavierbranche zwar wieder vor allem auf Modellpflege konzentriert, aber wir aber wir konnten doch einige neue, schöne Dinge entdecken.
Bechstein
Erweiterte Allianz. Die mehrheitliche Übernahme von Bechstein durch den koreanischen Hersteller Samic wurde letztes Jahr vollzogen. Heuer hat Samic 46% der ebenfalls koreanischen Klavierfabrik Young Cang erworben. Ziel ist eine Geschäftsausweitung, die sich auch für Bechstein, als »Kronjuwel« dieser Gruppe, auswirken soll. www.bechstein.de
Fazioli
Licht an! Wenn es um nützliche Innovationen für Klavierspieler geht, ist Fazioli immer vorne dabei. Heuer stellte er eine intelligente Notenbeleuchtung vor, die man einfach anstatt des Notenpultes in den Flügel legt. Sehr gelungen! www.fazioli.com
Grotrian Steinweg
Hoffnungsträger Crystall. Recht lustig war das letzte Jahr nicht für die Braunschweiger Klaviermacher. Glücklicherweise hat sich das letztes Jahr eingeführte »Friedrich Grotrian« Klavier zum Verkaufsschlager entwickelt, was die Produktion gut ausgelastet hat. Heuer wurde deshalb wieder ein neues Modell vorgestellt: Das »Crystall«. Ein Klavier mit 112 cm Höhe, das ältere Modelle wie das »Clou« ersetzen wird. www.grotrian.de
Pfeiffer
Natur Pur. Das Stuttgarter Familienunternehmen stellte ein Klavier mit 124 cm Höhe vor: Erle massiv, sehr liebevoll und detailverliebt gefertigt und mit Diamantöl eingelassen. Das Öl ist ökologisch unbedenklich, feuert die Oberfläche wundervoll an und macht das Klavier pflegeleicht. Wie es innen ist? Eben Pfeiffer. Weltklasse. www.pfeiffer-pianos.de

Mit der Natur im Ein-Klang:
Pfeiffer Klavier Nr. 35000

 
Sauter
Vega ist logisch. Wenn man heute an Sauter denkt, dann fällt einem dazu ein: Innovative, zeitgemäße Klaviergehäuse, in akribischer Handarbeit mit Begeisterung gefertigt. Dass hier nur wieder etwas Schönes kommen wird, war uns klar: Das neue Klaviermodell »Vega« basiert auf den Erfolgskriterien der 114er-Modelle und verfügt wiederum über ein neues »Kleid«. Den Delta Flügel schenkte sich Sauter in Silberausführung zum 185 Jahr-Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch! www.sauter-pianos.de
Schimmel
Neuer Vogel. Mit der Line »Vogel by Schimmel « beschreitet Schimmel neue Wege. Vorgefertigte Teile werden von Braunschweig nach Polen geschickt und in der traditionellen Klavierbaustadt Kalisz zu preiswerten Einsteigerklavieren veredelt. Der Vorteil steckt in den niedrigen Lohnkosten und Schimmel ist überzeugt, damit den Renner in diesem Preissegment anzubieten. www.schimmel-pianos.de
Seiler
Bigger is Better. 278 cm lang. Endlich. Seiler hat es durch seine Aktivitäten auf den Konzertbühnen und dem Seiler-Wettbewerb selbst provoziert: Der Markt forderte den grossen Flügel. Das Instrument ist eine Entwicklung aus dem eigenen Hause, dementsprechend stolz präsentierte man das neue Flaggschiff. Steffen Seiler, vor wenigen Jahren verstorben, wäre sicher stolz auf seine Mannen. www.seiler-pianos.de

  Seilers Marketingchef Schäfer (links) und Produktionsleiter Leonardy: »Wir sind stolz auf unseren neuen großen Konzertflügel.«
Yamaha
Wir wollen's wissen – mit dem neuen Meisterklasseklavier SU-7. Zum Bau des Instrumentes werden nur Materialien verwendet, die man im Konzertflügelbau einsetzt. Es wird fast ausschließlich in Handarbeit gebaut – um nicht zu sagen »gebastelt«. Die Tasten sind mit Ivorite belegt, die Tastenklappe verfügt über ein neues Softfallsystem, das Klavier hat sechs (!) Rastenspreizen, die Konsolen sehen fast aus wie Flügelbeine, die Hammerköpfe sind die des CFIIIS und alle 88 Töne sind auf Agraffen aufgefädelt. Als Klaviermacher sage ich: Die Jungs haben nichts ausgelassen. www.yamaha.de
Bruno Weinberger
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