Musikmagazin
Klavierspieler des Jahres 2004
Noten lesen kann ich nicht – na und?

Mit den »Prinzen« verkaufte er mehrere Millionen CDs und DVDs. Seine Stimme ist unverwechselbar und er ist ein Sympathieträger seiner Heimatstadt Leipzig. Dass er vom Fachverband der deutschen Klavierindustrie zum »Klavierspieler des Jahres« gekürt wurde, hat ihn sogar etwas beschämt, da er behauptet, nicht richtig nach Noten spielen zu können.
Sebastian Krumbiegel gehörte dem berühmten Thomaner-Chor an, lernte Cello, Trompete und Schlagzeug, und gründete noch als Kind seine erste Band. Ein Studium an der Musikhochschule »Felix Mendelssohn Bartholdy« folgte in den Fächern Gesang und Schlagzeug. 1991 dann der Schritt, der ihn mit seinen Freunden berühmt gemacht hat: Die Gründung der »Prinzen«.

»Klavierspieler des Jahres«: »Prinzen-Sänger« Sebastian Krumbiegel mit Holger Huhn, Vize- Präsident des Fachverbandes der deutschen Klavierindustrie und Steinberg-Boss.   Sebastian Krumbiegel mit Holger Huhn

Bei der Preisübergabe im Rahmen der Frankfurter Musikmesse spielte er – um zu zeigen, dass er auch klassisch Klavier spielt – ein Stück aus dem »Notenbüchlein für Anna Magdalena« von Johann Sebastian Bach. Dann gab er noch zwei seiner eigenen Songs aus seinem neuen Album »Geradeaus abgebogen«. Gleich anschließend traf ich Sebastian Krumbiegel:

Bruno Weinberger: Wie fühlt man sich als »Klavierspieler des Jahres«?
Sebastian Krumbiegel: Ich freue mich riesig, zumal mein Vorgänger ein so begnadeter Musiker und Pianist wie Paul Kuhn ist. Ich möchte diese Auszeichnung dazu nutzen, junge Menschen zu ermutigen, zu musizieren und Klavier zu spielen. Den Preis aber möchte ich an meinen Vater weiterreichen, der mit meiner Mutter dafür gesorgt hat, das ich auch drangeblieben bin, als ich mal einen Durchhänger hatte.

BW: Du spielst Klavier und behauptest, keine Noten lesen zu können. Wie geht das?
SK: Klavierspielen habe ich mir mehr oder weniger selbst beigebracht, indem ich mir Lieder von den Beatles oder Udo Lindenberg angehört und nach Gefühl nachgespielt habe. Noten sind aus meiner Sicht für Musik nicht unbedingt erforderlich. Es gibt das »Handwerk Noten lesen« und das »Gefühl Musik machen«. Das eine schließt das andere keinesfalls aus, aber das eine kommt eben auch ohne das andere aus. Paul Mc Cartney behauptet noch heute, er könne keine Note lesen, obwohl er »Yesterday«, »Hey Jude« oder »Let it be« geschrieben hat und der erfolgreichste Pop-Musiker überhaupt ist.

BW: Wie bist Du zur Musik gekommen?
SK: Ich stamme aus einer Musikerfamilie in der speziell das Singen immer im Mittelpunkt stand. Ich habe mehrere Instrumente gelernt und im Thomaner-Chor gesungen.

BW: Ist die Musik zum Beruf geworden oder spielst Du auch noch privat?
SK: Auf der Bühne oder vor der Kamera spiele ich eine Rolle. Zu Hause bin ich ICH. Ob Gitarre oder Klavier, bei uns daheim wird jeden Tag musiziert. Wir singen gemeinsam und haben viel Spaß dabei. Ich denke, man kann seinen Kindern tausend mal erzählen »tu dies oder tu das«. Nur wenn man es selber lebt und vorlebt, wird was draus. Und das geht automatisch, wenn man Spaß an etwas hat.

BW: Welche Deiner persönlichen Eigenschaften wurde besonders durch das Musizieren geprägt?
SK: Mein Harmoniebedürfnis.

BW: Du bist ein erfolgreicher Pop-Künstler und damit Idol für viele Jugendliche. Wie gehst Du damit um?
SK: Ich überschätze mich in dieser Rolle nicht, zumal ich noch sehr genau weiß, wie ich über »schlaue Tipps« von sogenannten Vorbildern gedacht habe, als ich noch ein Kind war. »Raucht nicht, sauft nicht, nehmt keine Drogen!« – alles wunderbar. Aber ich glaube nicht, dass das junge Menschen davon abhält, sich selbst auszuprobieren und Grenzen auszutesten. Ich versuche mit meiner Musik und meinen Texten die Gefühlswelt der jungen Menschen anzusprechen und ihnen so etwas Orientierung zu geben.

BW: Danke für's Gespräch!
Sebastian Krumbiegel mit Bruno Weinberger
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