- Zu – ga – be, Zu – ga – be,...
Erfolg für Batik´s 2. Klavierkonzert
8. Februar 2004, 11 Uhr: Der große Saal des Linzer Brucknerhauses ist fast voll. Am Programm: neben Mozart und Brahms, das Zweite Klavierkonzert des österreichischen Komponisten und Pianisten Roland Batik. Hervorragende Kritiken für eine glänzende Uraufführung mit dem Brucknerorchester unter Christoph Campestrini.
15. Februar 2004, 11 Uhr, im großen Saal der Johann Pölzhalle im Amstetten: Hier schwappt die Begeisterung über. Bravo Rufe, frenetischer Applaus eines enthusiastischen Publikums fordern nach Batik´s Klavierkonzert zwei Zugaben.
Was zeichnet das neue Werk des österreichischen Künstlers aus?
Die 3-teilige Komposition ist wie sein erstes Klavierkonzert von klassisch-romantischen und Einflüssen der Jazz- & Popularmusik geprägt. Ein sanft klingendes Klavier-Motiv lässt bereits am Beginn den rhapsodisch aufgebauten ersten Teil erkennen. Mit ständig aufbauender Instrumentierung erreicht der Satz sein Hauptmotiv. Ein locker pulsierender Rhythmus im 6/8-Takt mit farbiger Streicherinstrumentierung und ein Piano Zwischenspiel führen zum Finale des Ersten Satzes.
Am Beginn des zweiten Teiles wird Batiks Liebe zum Jazz hörbar: Er beginnt mit einem „Slow-Blues“, die ersten Takte nur mit der linken Hand gespielt. Eine Posaune und eine gedämpfte Trompete klingen in wunderschönen Klangfarben, die von einer Klavierkadenz mit kontrastreichem Charakter abgelöst wird. Perkussive Mirimbas, Pizzicato-Kontrabässe, unisono mit den ersten Geigen bestimmen den rhythmischen Dritten Satz, der über ein 6/4 Intermezzo zum romantisch inspirierten Finale führt.

- Roland Batik sagt über sein zweites Klavierkonzert:
- „Das Werk soll bewusst Reminiszenzen an die Vielfältigkeit der Stile anklingen lassen, mit denen ich mich Zeit meiner musikalischen Tätigkeit auseinandergesetzt habe.
Es war und ist mir immer ein tiefes besonderes Anliegen, Verständlichkeit, Innovation und eigene Persönlichkeit zu einer möglichst ausgeglichenen Balance zu führen.
An dieser Stelle möchte ich auch dem Bruckner-Orchester meinen tiefsten Dank aussprechen für die wunderbare Zusammenarbeit und engagierte Auseinandersetzung mit meiner Musik.“
Wir haben in Österreich nicht gerade eine Inflation an neuen „klassischen“ Werken, die das Potenzial haben, ein breiteres Publikum zu erreichen und sprachen mit Roland Batik nach seinem Erfolg in Amstetten.
Der Weinberger: Am 8. Februar Uraufführung Deines zweiten Klavierkonzertes im Linzer Brucknerhaus mit dem Brucknerorchester – tolle Kritiken und heute, eine Woche später in Amstetten, fordert das Publikum Bravo rufend zwei Zugaben. Wie fühlt sich das an?
Roland Batik: Die Spannung vor der Uraufführung war natürlich groß – es war purer Stress. Natürlich fühle ich mich durch die überwältigende Publikumsreaktion glücklich und entspannt.
DW: Dein erstes Klavierkonzert entstand 1993, das zweite hast Du 2003 geschrieben. Müssen wir auf Dein drittes wieder 10 Jahre warten?
RB: (lacht... ) Nein. Mit dem Brucknerorchester, das meine ersten beiden mit Leidenschaft und Begeisterung interpretiert hat, wurden schon Gespräche geführt. Vielleicht kommt mein drittes Klavierkonzert schon in der Saison 2005/06.
DW: Du bist gelernter Pianist. Warum komponierst Du?
RB: Da ich neben meiner klassischen Pianistentätigkeit auch Jazz spiele, entstanden durch das Improvisieren automatisch Kompositionen. Im Laufe der Zeit begann ich, auch für klassische Ensembles zu schreiben. Mein erstes großes Werk war das erste Klavierkonzert, es folgten ein Trio für Violine, Violoncello und Klavier, Kammermusik für gemischte Besetzungen und verschiedene Auftragswerke. Ich will nicht sagen, dass der Komponist in mir im Vordergrund steht, aber Publikumsreaktionen und Kritik ermutigen mich, diesen Weg zu intensivieren.
DW: Als einer von ganz wenigen Pianisten spielst Du sowohl Klassik als auch Jazz. War Dein Lehrer Friedrich Gulda hier der Auslöser?
RB: Gulda ermutigte mich, noch lange bevor ich das Klavierduo mit seinem Sohn Paul hatte, beide Welten zu erkunden. Ich konnte mich nie entscheiden, ob ich in den Jazzclub gehe oder Bach übe. Er hat meine Anlage zur Dualität erkannt und war die wichtigste Prägung meiner Jugend und mein großes Vorbild.
DW: Ist es nicht eine Utopie, Klassik und Jazz gleich gut zu spielen? Wirkt der Jazzer nicht zu schlampig, wenn er Klassik spielt? Erscheint der Klassiker beim Jazz nicht zu akademisch?
RB: Das ist natürlich eine Gefahr. Man muss in den Übungsphasen Prioritäten setzen und darf sich nichts zumuten, was einfach nicht geht. Ich kann nicht nach einer erfolgreichen Haydn-Interpretation Bebop spielen. Das funktioniert nicht. Weil mir das bewusst ist, überfordere ich mich in Konzertprogrammen nicht. Wenn ein Programm Klassik und Jazz enthalten soll, dann bediene ich mich quasi als Übergang meiner eigenen Stücke. Es ist und bleibt aber eine Gratwanderung, und ich gebe auch zu, dass ich mit dieser Dualität anfangs Probleme hatte. Ein Bereich blieb immer auf der Strecke. Erst das verstärkte zeitlich getrennte Üben hat mir über diese Hürde geholfen.
DW: Du sprichst von „Deiner Stilistik“. Kannst Du sie verbal erklären?
RB: Meine Musik entspringt einer tiefen Tonalitätsverbundenheit und dem Wunsch, mich mit verständlichen Motiven auszudrücken – auch wenn man das Stück zum ersten mal hört. Ich will, dass das Konzerpublikum glücklich nach Hause geht, aber nicht das Gefühl hat, in einem anspruchslosen Konzert gewesen zu sein.
DW: Schreibst Du bewusst „leicht verständlich“, um alle zu erreichen?
RB: Nein, überhaupt nicht! Das ist meine Mentalität. Ich bin am glücklichsten, wenn ich das Publikum umarmen kann und gleichzeitig mir selber einen Anspruch gestellt habe.
DW: Im Jahre 2000 warst Du krankheitsbedingt außer Gefecht. Bist Du wieder ganz gesund?
RB: Ich hatte das große Glück, eine Gehirnblutung zu überleben. Seitdem denke ich auch etwas anders. Ich laufe nicht mehr jeder Idee nach und selektiere stärker. Familie und Gesundheit sind mir viel wichtiger geworden.
Der Weinberger: Apropos Familie: Du bist verheiratet und hast eine kleine Tochter. Was viele Väter interessieren wird: Wie bringst Du das Üben, das Komponieren und das Konzertieren mit der Familie unter einen Hut?
Roland Batik: Wir haben eine sehr gute Lebensform mit zwei Wohnsitzen gefunden. Ich kann meine Arbeit unabhängig vom Familienleben gestalten – in einem Refugium auf Schloss Seibersdorf, wo ich mich auch als „Kleinveranstalter“ von Konzerten engagiere. Wir versuchen Reibungsflächen zu vermeiden, indem auch jeder in seinem Freiraum die Sachen für sich erledigen kann.
DW: Du verlangst bei Aufnahmen und Konzerten einen Bösendorfer Flügel und wirst auf der „Bösendorfer Artist List“ geführt. Warum diese Spezialisierung?
RB: Der Bösendorfer hat einen besonderen Klang, die meiner Musik und Philosophie sehr entgegenkommt. Das Instrument besitzt eine unglaubliche Fülle an Klangfarben und einen unvergleichlichen Obertonreichtum. Ich habe zu dem Instrument ein großes inneres Vertrauen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich zu Hause auch seit vielen Jahren einen Bösendorfer habe.
DW: Kannst Du Dir eine Reunion des Klavierduos Batik & Gulda vorstellen?
RB: Gute Frage... Wir haben 1988, am Höhepunkt unseres Erfolges, aufgehört. Paul hat damals dem Druck seines Vaters nachgegeben seine Solokarriere zu intensivieren. Jeder von uns ist dann seinen Weg gegangen, und rückblickend bin ich dem Friedrich Gulda dankbar, denn ich bin glücklich, wo ich jetzt stehe. Paul und ich haben vor zwei Jahren auf Schloss Seibersdorf wieder mal zusammen gespielt und hatten einen riesen Spaß dabei. Konkret haben wir nie über eine Aktivierung des Duos gesprochen, aber wenn es eine zündende Idee gäbe, würden wir es machen.
DW: Wann kommt die CD Deines zweiten Klavierkonzertes?
RB: Natürlich bin ich daran interessiert und auch das Brucknerorchester wäre dabei. Es geht nun darum, mit Firmen in Kontakt zu kommen, die das Projekt übernehmen. Ich werde „dahinter sein“, denn es ist mir ein Herzensanliegen.
Der Weinberger: Vielen Dank fürs Gespräch! - Wordrap:
- Verheiratet, 1 Tochter
Sternzeichen: Löwe
Lieblingsessen: Auch hier die Dualität: Sushi und Wiener Schnitzel
Lieblingskomponist: Die Wiener Klassik mit Beethoven, Haydn, Mozart. Ich spiele jene Komponisten am liebsten, bei denen ich glaube, eine persönliche Aussage dazu machen zu können.
Auf meinem Nachtkastl liegt: Ein leeres Notenblatt und ein Bleistift
Auf eine einsame Insel nehme ich mit: Meine Familie und einen guten Bösendorfer
Mein Lebensmotto: Jeden Tag möglichst positiv sehen und ihn ausnützen, denn man weiß nicht, was morgen ist.
Meine letzten Worte sollen sein: Ich lag auf der Intensivstation, war fast hinüber, und als ich kurz aufwachte, fragte ich: „Hab ich alle Haydn Sonaten aufgenommen oder nicht? - Lebenslauf:
- Roland Batik, in Wien geboren, erhielt seine pianistische Ausbildung an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst und setzte seine Studien bei Friedrich Gulda fort. Gleichzeitig spezialisierte er sich als Jazzpianist bei Fritz Pauer. Im Klavierduo mit Paul Gulda erreichte Roland Batik 1982 – 1988 europaweit durchschlagenden Erfolg. Als Solist spielt er Klavierabende in der Kombination von klassischem, romantischem und impressionistischem Repertoire mit eigenen Kompositionen und prägte so seinen eigenen Stil. Den entwickelte er auch mit seinem 1977 gegründete Trio (Roland Batik - piano, Heinrich Werkl - bass, Walter Grassmann - drums).
1991 erhielt er für seine Gesamtaufnahme der Klaviersonaten W.A. Mozarts den Schallplattenpreis "Wiener Flötenuhr" für die beste Interpretation des Jahres. Im Dezember 1993 fand die Uraufführung seines ersten Klavierkonzerts, dem "Concerto for Piano and Orchestra No. 1 - Meditation upon Peace", im Wiener Konzerthaus statt.
Die Einspielung aller Klaviersonaten Joseph Haydns hat Roland Batik 1999 abgeschlossen, 2000 wurde ihm der Kulturpreis des Landes Niederösterreich zuerkannt.
Der Künstler leitet das "Musikfestivals Schloss Seibersdorf", und in Anerkennung seines musikalischen Gesamtschaffens wurde Roland Batik im April 2003 vom Bundeskanzleramt der Titel "Professor" verliehen.
www.rolandbatik.com
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