- Gurrt wie ein Täubchen und schlägt wie ein Mann / Kerl
Sabina Hank am Flügel
28. November 2003, 19:30 Uhr, Kunstmuseum Lentos, Linz.
Im schmucklosen Betonambiente steht eine kleine Bühne. Als Stilleben: Klavier, Schlagzeug, Kontrabass und ein paar herumhängende ORF Mikrofone. Kurze Ansprachen des Hausherrn Herbert Baum und Manfred Aichinger von Bösendorfer. Alle warten auf Sabina Hank.

Wer ist Sabina Hank?
In der Jazzszene bewegen sich derzeit etliche singende und spielende Damen. Von Diana Krall über Cassandra Wilson, Norah Jones, Alicia Keys bis zu der aus Salzburg stammenden Sabina Hank.
Nach einer klassischen Grundausbildung in Klavier am Salzburger Mozarteum (13 Jahre), studierte sie von 1994–99 an der Jazzabteilung am Brucknerkonservatorium Linz Gesang und Klavier. Sie brach vorzeitig ab, um den Sprung ins Risiko zu wagen, denn die Lehrbefähigung war für sie nicht wichtig genug. Sie wollte nie unterrichten. So hat Sie den mutigen Weg in die musikalische Selbstständigkeit schon in frühen Jahren gewagt.
Singende Pianistin oder klavierspielende Sängerin?
Zu spielen gab es damals schon genug für die talentierte junge Musikerin. In ihrem „Sabina Hank Trio“ spielt sie seit Jahren mit dem Schlagzeuger Stefan Eppinger aus München und dem Salzburger Bassisten Alex Meik. Trotz junger 27 Jahre blickt sie schon auf eine lange Karriere zurück, die bereits in drei CD-Veröffentlichungen mündete.
" Am Anfang dachte ich mir, das werde ich nie auf die Reihe kriegen, gleichzeitig singen und Klavier spielen, weil das so viel Konzentration verlangt. Diana Krall hat das Klavierspielen intus, daher kann sie sich voll und ganz auf den Gesang konzentrieren, und das mach ich auch. Wenn ich singe und gleichzeitig spiele, passiert das, was auf dem Klavier passiert, in blinder Übereinstimmung mit mir. Da weiß ich ganz genau, was ich mache."
Hank - im Wettbewerb
Wie fühlt sich Hank als Frau innerhalb der österreichischen Jazz-Szene? Dazu meinte sie einmal: „Ich suche nicht die Szene. Ich lebe am Land, ca. 30 km von Salzburg, das ist meine Oase, wo ich Kraft tanken kann. Intrigen und Tratsch interessieren mich nicht. Ich hab mit meinen jungen Jahren Erfolg, und ich hab eine eigene Vorstellung von Raum und Zeit. Ich kenne kein Konkurrenzdenken oder Neid. Ich freue mich, wenn andere noch größeren Erfolg haben. Ich fokussiere total, das ist eine Eigenschaft, die sehr unösterreichisch ist. Ich möchte meine Sache durchziehen, egal ob ich Erfolg hab oder nicht.“
Hank – X-Large
Sabina Hanks Liebe zum Komponieren für und Dirigieren großer Orchester geht auf einen Workshop in Paris zurück. Dort saß sie als Vertreterin des Linzer Konservatoriums als Pianistin in dem von Maria Schneider geleiteten Orchester und erlebte bei einer der wichtigen Bigband/Orchestra-Leaderinnen eine Woche ‘hautnah’ diese Atmosphäre. Für Hank sind die größeren Ensembles „eine Möglichkeit, mich als Komponistin auf andere Weise auszuprobieren.“ In ihrem Projekt zählt sie den Rhythmusbereich als wesentliches Element, als Herz ihrer Musik. „Ich versuche etwa, verschiedene Rhythmen von Schlagzeug und Perkussion gegenüber zu stellen. Und ich würde meine Musik vor allem als sehr ,farbenreich’ beschreiben.“
Hank – die Komponistin
Die Geschichte ihres Projektes reicht ins Jahr 1998 zurück, als sie „zufällig“ einen Kompositionsauftrag vom Brucknerhaus erhielt. Das Werk entwickelte sich während des Schreibens immer stärker auf eine filmmusikalische Ebene. Es umfasst Stücke von etwa 10 – 15 Minuten Länge, die meist auf einen Solisten zugeschnitten sind und den Trompeter Lorenz Raab bzw. die Holzbläser der Band präsentieren. „Ich habe einfach ganz konkrete großorchestrale Klangvorstellungen im Kopf, die ich umzusetzen versuche.“
Die Texte sind das langwierigste Unterfangen bei ihren Kompositionen, sagt Hank. "Bei meinen Kompositionen entsteht zuerst der Text. Ich werde durch eine Sache oder einen Moment inspiriert, aus welchem Bereich auch immer. Ich sehe meine Texte als Geschichten. Ich mag die Storytelling-Form großer Songwriter wie James Taylor oder Joni Mitchell.
Hank - im Umfeld
Einer war, bis zu seinem Tod vor zwei Jahren, der Tiroler Werner Pirchner, den Hank bei den Salzburger Festspielen kennen gelernt hat, und mit dem sie in enger Verbindung stand. „Das wichtigste, was Werner mir als Komponist vermittelt hat, war, dass man seine eigene Stimme finden muss. Er hat mir gezeigt, dass man in seiner Arbeit keine Kompromisse eingehen soll und es vor allem auf die persönlichen Eigenheiten ankommt.“
Ein zweiter, nahe liegender Einfluss ist Sabina Hanks Ehemann, der Altist und Multi-Reed-Player Herb(ert) Berger, der für sie zu den wesentlichsten Komponisten zählt, und dessen große Leidenschaft der Big Band Musik gehört. „Wir sind gegenseitig die größten Kritiker, es herrscht bei uns aber keinerlei wie immer gearteter Wettbewerb. Auf Grund seiner großen Erfahrung kann er mich natürlich bei handwerklichen Dingen ein wenig unterstützen“, sieht sie das musikalische Beziehungsleben. „Er hat mich sicher am stärksten beeinflusst, wir haben zwar die gleiche ästhetische Auffassung von Musik, aber völlig verschiedene Zugänge zum ,Schreiben’. Herb ist sicher der konzeptionellere von uns beiden, mir geht es mehr darum, den Bogen in einem Werk nicht zu verlieren. Und Last but noch least: Christian Muthspiel, bei dem ich am Brucknerkonservatorium viel gelernt habe.
Hank – live im Lentos
Schon als sie die Bühne betritt, wird es wärmer im nüchternen Saal. Ein freundliches Lächeln fürs Publikum und ihre beiden Musikerkollegen und los geht’s mit einem Standard. Abwechselnd spielt das Trio eigene Werke aus der jüngeren Vergangenheit, Standards nach klassischem Jazzmuster: „Thema, Solis, Thema“ und Titel der kommenden CD, die im März 2004 aufgenommen wird.
Hank - Von zart bis hart
Feine Balladen, auch mal im _- oder 6/8-Takt wechseln mit teils virtuos ausgeschmückten Verzierungen und fast poppig anmutenden Grooves. Das wird dann auch ganz schön kräftig. Auffallend ist die brillante pianistische Technik, die Hank offenbar aus Ihrer klassischen Klavierausbildung mitgenommen hat. Eine Besonderheit, die an Friedrich Gulda erinnert. Mit ihren beiden Musikerkollegen, Schlagzeuger Stefan Eppinger und Bassisten Alex Meik, bildet Sabina Hank ein gut aufeinander eingestelltes, harmonisch agierendes Jazztrio.
Mitreißend ist die emotionale Tiefe, mit der sie ihre Songs interpretiert – besonders hör- und fühlbar bei den leisen Passagen der Balladen. Dies hört man nicht nur – auch körpersprachlich geht sie in ihrer Musik völlig auf. Da bleibt kein Auge trocken. Besonders beeindruckend der Titel „Far from Eden“ – wird auf der kommenden CD erscheinen. Das Publikum war begeistert!
Das Konzert wird am 29.12.2003 um 19:30 Uhr auf Ö1 ausgestrahlt.
Nach dem Konzert sprach ich mit Sabina Hank:
Der Weinberger: Letzte Woche in Washington D.C., vorgestern in Novi Sad – Sie kommen viel herum?
Sabina Hank: Ja, in den letzten zwei Jahren war echt viel los. Mit der Big Band in Österreich und im Trio in Mexiko, USA, Amsterdam, Kopenhagen, Brüssel, Serbien, Rumänien, Marokko,... Es läuft sehr schön.
DW: Sie stehen seit kurzem auf der Bösendorfer Artist List. Warum Bösendorfer?
SH: Ich hab´ mir gerade den Flügel für meine nächste CD ausgesucht. Ich konnte in der Fabrik im Salon unter mehreren Flügeln wählen. Es war unglaublich! Da war ein Flügel, ein Bösendorfer Imperial, der war so unglaublich schön. Mir kamen die Tränen vor Freude. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu spielen. Der Flügel ist reine Magie. Diese Intimität hat sonst kein Instrument. Für meine Musik ist der Bösendorfer einfach ideal.
Außerdem bin ich beeindruckt von der Art, wie man bei Bösendorfer mit Künstlern umgeht. Und ich genieße erstklassige Bedingungen. Das habe ich woanders nicht so erlebt.
DW: Was ist Ihr großes Ziel?
SH: Mein großes Ziel ist, dass ich kein großes Ziel habe. Ich will einfach meine Leidenschaft als Singer/Songwriter entwickeln und meine Seele als Komponistin wachsen lassen. Dabei interessieren mich große Klangkörper besonders. Zum Beispiel Filmmusik. Aber wer weiß, was in drei Jahren ist...
DW: Im kommenden März nehmen Sie Ihre nächste CD auf.
SH: Die Songs sind schon fertig. Wir spielen ausschließlich meine eigenen Kompositionen ein. Dabei verabschiede ich mich von der traditionellen „Thema, Solis, Thema“ Form der Jazz-Standards. Wir suchen uns ein Studio irgendwo außerhalb. Ich muss zwischendurch einfach raus können. Raus in die Ruhe der Natur. Und den Blick in die Weite.
DW: Was ist Ihnen wichtig, worum geht es Ihnen bei Ihren Konzerten?
SH: Das Live-Erlebnis ist mir sehr wichtig. Ich will die Menschen erreichen. Und ich will, dass Sie mein Konzert mit einem besseren Gefühl verlassen, als sie gekommen sind. Ich möchte den Menschen etwas mitgeben und das hab ich auch heute gespürt. Wenn mir das gelingt, bin ich glücklich.
DW: Vielen Dank fürs Gespräch!
- Zitate
- „Leise ist schön“
„Mein großes Ziel ist, dass ich kein großes Ziel habe.“
„Singen hat mit Leichtigkeit zu tun” - Dicografie
- Undercovered Soul, 1997
Carmen, 1998
Softly Spoken, 2000
Blue Moments 2001
Info unter www.sabinahank.com
- Persönliches
- Sternzeichen: Stier, Aszendent Steinbock
Lieblingsessen: Curry-Stangensellerie mit rotem Reis aus der Camargue
Lieblingskomponisten: Bach, Mozart, Sting und Joni Mitchell
und von Schubert Streichquintett C-Dur
Auf meinem Nachtkastl liegt: Bücher ohne Ende
Auf eine einsame Insel nehme ich mit: Meinen Mann
Mein Lebensmotto: „nam myoho renge kyo" (kommt aus dem buddhistischen und bedeutet "go for your dreams") bzw. ein Leben ohne "was wäre wenn".
Meine letzten Worte sollen sein: Es ist die Liebe. Sie allein macht uns leben und sterben. Es gibt nichts Wichtigeres.
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