Musikmagazin
Einmal Himmel - Hölle und retour
Michael Tschuggnall nach der emotionalen Hochschaubahn „Starmania“

„Just do it” steht auf seinem T-Shirt. Das hätten wir dem jungen Tiroler gar nicht zugetraut, denn eigentlich war er schon draußen. Aber - Nicht nur Red Bull verleiht Flügel.

Der Start
Auf der Musikschule Telfs trifft Michael auch auf seine erste große Liebe – eine elegante Erscheinung, brillant schwarz und schlanke Beine, drei Stück: ein Bösendorfer Flügel. Auch der Flügel des Starmania Finales, auf dem Michael mit „Tears of happiness“ gewonnen hat, war zufällig ein Bösendorfer. Kein Wunder, dass Michael eine enge Verbundenheit zu diesem Namen spürt.

Michael Tschuggnall am Sand
Mit 12 Jahren gibt Michael den Rhythmus weniger in der Musik als auf Tiroler Tennisplätzen vor. Mit überzeugender Vorhand gewinnt er die wichtigsten lokalen Turniere und schafft es sogar bis an die Spitze „12 bis 14“. Doch schließlich will er seine Zukunft nicht auf (rotem) Sand bauen, und gibt die Tenniskarriere aus Zeitgründen auf - die Musikausbildung ist ihm wichtiger.

Der Mann im Hintergrund
Mit 14 Jahren lernt Michael sein zweites Instrument zu spielen: den E-Bass. Bald zupft er in diversen Bands. Dabei begnügt er sich mit dem typischen Dasein eines Bassisten - er hält sich stets im Hintergrund, hin und wieder singt er im Background. Das eingeprägte Bild von Michael als Balladensänger, der sich selbst alleine am Klavier begleitet, kennen vor dem Starmania-Finale nur die vier Wände seines Musikzimmers. Nach dem Abschluss der Musikschule in Telfs beginnt Michael eine HTL-Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker. Zum Zeugnis-Finale 2001 lautet das Saalvoting der Lehrerschaft: 1,0 – Matura mit Auszeichnung.

Tirol – du bist sein Heimatland
Zuhause will Michael übrigens immer nur in Telfs sein. Auch ein eigenes Haus ist für ihn einmal nur dort vorstellbar. Nicht einmal bei seinen derzeitigen Fünf-Tage-Wochen in Wien kommt für ihn eine Wohnung in der Hauptstadt in Frage. Michael zieht weiterhin das Leben in unverbindlichen Hotels vor, damit „zu Hause“ weiterhin nur das elterliche Heim in Tirol bleibt.

Tour-Start für Tschuggi
Vor 200 Gästen gab Michael am Freitag, 1. August, das erste Konzert seiner Österreich-Tour. Im Wiener „Club Atrium“ gab es nur vor Beginn des Auftrittes etwas Unmut, weil die Leute eine Stunde auf das Erscheinen des Sängers warten mussten. Aber als Michael schließlich gegen 21 Uhr am Klavier loslegte, zeigte sich das Publikum begeistert. Es drängte sich vor die Bühne, um ihr Idol endlich singen und spielen zu hören. Der Neo-Popstar und seine Band blieben nach intensiven Übungseinheiten auch nichts schuldig: Die Nummern zeigten sich live gespielt ergreifender und intensiver als auf dem Debüt-Album. Mit seinem ersten Solo-Konzert hat der 22-Jährige jedenfalls sein Talent als Musiker endgültig unter Beweis gestellt und ein Versprechen für Österreichs Pop-Zukunft abgegeben. Man darf gespannt sein, welche Begeisterung seine Österreich-Tour noch auslösen wird.


Wir trafen Michael zum Gespräch:


Der Weinberger:
Du hast eine fundierte musikalische Ausbildung?
Michael Tschuggnall: Ja, begonnen habe ich mit Klavier-Privatunterricht und mit 13 bekam ich einen Platz in der MS Telfs. Später habe ich E-Bass und Gitarre noch dazu genommen. Der Unterricht, das Üben und Chorproben haben sich bis Starmania gezogen. Da fällt mir ein, dass ich mich in der MS offiziell gar nicht abgemeldet habe, eigentlich bin ich noch immer dabei.

DW: Wie weit bist Du gekommen?
MT: Die ersten sieben Jahre hab ich nur Klassik gespielt. Dann hat mich Pop mehr interessiert und zum Schluss haben wir fast nur Jazz gespielt, obwohl ich zwischendurch immer wieder was klassisches wiederhole. Mein Lehrer in Telfs ist ein super Musiker. Ich habe viel von ihm gelernt. Beim Tiroler Jugend – Landesmusikwettbewerb hab ich sogar einmal gewonnen.

DW: Man bezeichnet Dich oft als Balladensänger. Ich werde aber dass Gefühl nicht los, dass Du lieber etwas rockigeres machen würdest.
MT: Ich mag beides. Auf meinem neuen Album gibt es auch rockige Titel. Aber noch nicht so ausgeprägt, wie ich mir das für das nächste vorstelle.

DW: Wie kommst Du zu Deinen Song-Ideen?
MT: Komponieren kann ich nur zu Hause am Bösendorfer und für einen guten Song braucht man Zeit. Man kann sich zwar hinsetzen und zur schnellen Komposition zwingen, aber dann wird es immer nur ein mittelmäßiger Song bleiben. Einmal hören – und merken, dann ist ein Thema gelungen. Vor Jahren hab ich Freunden ein erstes Demo von „Tears of happiness“ vorgespielt. Einer davon hat mich zwei Jahre später gefragt, was daraus geworden ist und hat mir noch den Refrain vorsingen können! Da hab ich gemerkt dass mir damit wohl was gelungen ist.

DW: Orientierst Du Dich an anderen Künstlern?
MT: Ohne ihn jetzt kopieren zu wollen: Elton John finde ich super. Mich interessiert vor allem, wie andere Musiker auf der Bühne agieren.

DW: Wie siehst Du Starmania heute?
MT: Es war ein Riesen Sprungbrett, das ich für mich nutzen konnte. Ein Riesen Glück. Ein Riesen Zufall. Ein Riesen Spektakel. Aber jetzt will eigentlich jeder weg von dem Starmania Image. Ich will kein Teenie-Idol mit nur einer Single sein. Ich will Musik machen und es war ein großer Zufall, dass ich so weit gekommen bin.

DW: Was sagst Du zu den Verträgen, die Ihr beim ORF unterschreiben habt?
MT: Ehrlich gesagt hab ich mir das gar nicht durchgelesen. Das Faktum war einfach: Unterschreiben oder wieder gehen. Da hab ich nicht lange überlegt. Die Frage war für mich: Will ich da mitmachen oder nicht? Und dass wir von allem 30% dem ORF abgeben müssen, weiß eh schon jeder. Dafür unterstützen sie uns auch.

DW: Hast Du Dein Informatik-Studium nach Starmania abgebrochen?
MT: Nein, denn ich weiß nicht, wie sich die Dinge mit der Musik entwickeln. Es liegt auf Eis und ich kann weitermachen, wenn ich will.

DW: Was sagen Deine Eltern dazu?
MT:
Die sind total stolz und stehen dazu, was ich jetzt mache. Natürlich haben sie oft gesagt „... aber das Studium geht vor...“. Speziell mein Opa war anfangs gegen Starmania und jetzt ist er der stärkste Befürworter!

DW: Du gehst jetzt mit einer sechsköpfigen Live-Band auf Tournee und probst seit einer Woche die Songs des neuen Albums. Alles live zu spielen ist doch etwas anderes als zu Playbacks zu singen.
MT: Ich will live spielen und nicht nur Halbplaybacks singen - auch wenn ich nur am Flügel sitze, und unplugged das ganze Album spiele - übrigens am 17. September im Bösendorfer Saal in Wien. Ich habe zwar schon vor Starmania in Bands gespielt, aber trotzdem ist es jetzt ein großer Schritt, mit der neuen professionellen Live-Band zu arbeiten.

DW: Ich habe gelesen, dass Du Dir international nichts vorgenommen hast, und froh wärst, wenn Du weiter Musik machen könntest. Diese und andere Aussagen von Dir klingen geradezu bescheiden. Ist das Deine Masche oder hast Du nur schlappe Ziele?
MT: Ich bin einfach bescheiden. Ich kann nicht sagen „Jetzt will ich Deutschland erobern“ oder die Schweiz. Das bin nicht ich. Es gibt viele Leute die für mich arbeiten und die mich weiterbringen. Mir liegt sehr viel an meiner Musik, darauf konzentriere ich mich.

DW: Du hast Deinen Sieger Titel „Tears of Happyness“ bei Peter Wolf in Los Angeles aufgenommen. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
MT: Ich war von Peter sofort begeistert, weil er ein super Pianist und Musiker ist. Auch persönlich hab ich mit ihm sehr gut verstanden, er ist total nett. Und in den Pausen haben wir Tennis gespielt. Natürlich hat er den amerikanischen Touch schon übernommen: „Alles ist locker, es geht alles,...“ Aber das ist klar, wenn man dort wohnt...

DW: Du warst Tiroler Jugend-Landesmeister. Hast Du Peter beim Tennis etwas lernen können?
MT: Er wollte immer mit mir spielen und ich muß sagen, er spielt gar nicht so schlecht.

DW: „ Tears of Happyness“ wurde von manchen als zu überladen kritisiert. Was sagst Du dazu?
MT: Das Arrangement war ein Kompromiss zwischen dem was ich wollte, was Peter Wolf wollte und dem was sich die Plattenfirma wünschte. Es war meine erste Produktion, ich habe mich auf die Erfahrung meiner Partner verlassen. Das Lied ist aber so melodiestark, dass man wenig verhauen kann. Die Leute wollten halt auch das auf der CD hören, was ich in der Live-Show beim Starmania Finale gespielt habe. Aber das geht nicht. Es war live, nur in diesem Moment und das kann man nicht auf eine Single bringen. Ich hätte vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit anders gemacht, aber in Summe gefällt mir das Ergebnis wie es ist.

DW: Was ist Dein großer Traum?
MT: Ich möchte viele eigene Lieder schreiben. Ich bringe mich bei Coversongs schon voll ein, aber jetzt wird es natürlich interessant, wie die Leute auf meine Musik reagieren. Auf meinem neuen Album sind drei Titel von mir und in Zukunft möchte ich noch mehr Eigenes bringen. Ich träume davon, eine Pause zu machen, 50 Lieder zu schreiben, die besten auszuwählen und dann ein Album aufzunehmen. Mein langfristiges Ziel ist, einfach Musik machen zu können.

DW: Wie sieht der typische Arbeitstag bei Dir aus?
MT: Heute zum Beispiel: Aufstehen, Frühstücken, Interview geben, Promotion Termin, Mittagessen und am Nachmittag Proben mit der Band. Am Abend Auftritt, dazwischen immer wieder mal telefonieren, Termine vereinbaren, Abendessen und dann schlafen.

DW: Also das volle Programm. Ist das nicht das genaue Gegenteil von dem, man als 21-jähriger Informatikstudent sonst hat?
MT:
Nein, das stimmt nicht. Ich habe gerade erst wieder darüber nachgedacht: Ich hab' auch früher sehr viel zu tun gehabt: Das Studium, die vielen Hausaufgaben, zwei mal in der Woche Musikschule, Üben, Tennis spielen, einen Gig pro Woche, das war auch schon ziemlich stressig.

DW: Also von Geburt an ein Workoholic?
MT: Naja, aber wenn nicht jetzt, wann dann?

DW: Urlaub?
MT: 2 Wochen Tunesien mit meiner Freundin.

DW: Seit zwei Jahren geht das gut?
MT: Seit Drei!!

DW: Vielen Dank fürs Gespräch und viel Erfolg!

Wordrap:
Sternzeichen: Widder
Hobbies: Musik, Computer, Tennis
Liebstes Urlaubsziel: Dominikanische Republik
Lieblingskomponist: Elton John
Lieblinssänger: George Michael und Mariah Carey
Fitnessrezept: Daheim in 2 Tagen auftanken, was ich für die restliche Woche brauch´
Auf meinem Nachtkastl liegt: Unmengen von CD´s
Lebensmotto: Just do it

Zitate:
Starmania Gewinner Michael Tschuggnall: „Zu Hause habe ich einen Bösendorfer Flügel. Ein Wahnsinns Instrument“
Zum Vertrag mit dem ORF:
„... Das Faktum war: Unterschreiben oder wieder gehen. Da hab ich nicht lange überlegt ...“
Über Starmania:
„... Ein Riesen Glück. Ein Riesen Zufall. Ein Riesen Spektakel. Aber jetzt will eigentlich jeder weg vom Starmania Image...“
CD Michael Tschuggnall, Universal Music, 986 542-4

Michael Tschuggnall, der die Starmania-Skeptiker mit seiner Schlussdarbietung wohl überrascht hat, legt sein erstes Album vor. 12 Liedern, wobei 3 Titel immerhin aus seiner eigenen Feder stammen. Der Rest wurde sorgfältig ausgewählt und in sieben Tagen (!) produziert. Das jagt dem ernsthaften Musikfreund wohl einen kalten Schauer über den Rücken. Produziert wurde bei „Beat 4 Feet“ in Wien.
Die Songs sind professionell arrangiert, mit akustischem Klavier, da und dort etwas glatt. Mir fällt zu der Platte ad hoc einfach „brav“ ein. Wo sind die Kanten der Jugend geblieben? Vergleicht man frühe Songs von Elton John, Billy Joel oder Freddy Mercury mit dem Debut-Album von Michael Tschuggnall wird man das Gefühl nicht los, dass die Musik im Wesentlichen von seinen „Beratern“ gestaltet wird.
Michael, zeig uns bei der nächsten Platte mehr den Rebellen in Dir!
Aris Mihelinakis
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