Musikmagazin
Linzer Klangwolken 2003
Europa endlich vereint - zumindest symphonisch
85.000 waren dabei. Die Visualisierte Linzer Klangwolke 2003 ging am Abend des 6. Septembers 2003 über die Donau / Bühne: Europa - eine symphonische Vision von Christian Kolonovits.

Schauen wir mal im Brockhaus nach: „Vision, die, Traumbild, prophetisches Zukunftsbild, Erscheinung,...“ Nun, das mit der Vision war nicht der größere Teil bei der Klangwolke, einer schon zur Tradition gewordenen Top-Veranstaltung des Linzer Brucknerhauses, die seit Jahren zu den bestbesuchtesten Veranstaltungen Österreichs zählt. Breiteren Raum nahm die Aufarbeitung unserer Geschichte ein.

Hitler und Stalin versenkt
Der Griff in die Zeit zurück ist weit und beginnt bei den griechischen Demokraten. Musikalisch und visuell wurden die Grauslichkeiten der europäischen Geschichte dargestellt: Kreuzigung, Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Inquisition, päpstliche Segen für Sklaverei und Diktatoren, die Geringschätzung der Frau im Christentum, als Entdecker gepriesene Ausbeuter, Konzentrationslager und Bücherverbrennung. Nachdem Hitler und Stalin in der Donau versenkt wurden verkündeten große Buchstaben "Europa ist frei".

Abwechslung und Vollgas
Im zweiten Teil des Spektakels holte Kolonovits die Kulturen zurück nach Europa, die in wenigen Jahren auch politisch wieder zu uns gehören werden. Da spielte die Vision: Mit den fantastischen Obertonsängerinnen von "Cosmic Voices" (Bulgarien), den Teufelsbläsern von Fanfare Ciocarlia, der angeblich "schnellsten Band der Welt" (Rumänien), dem Ensemble Amarcord (Wien) und natürlich dem Brucknerorchester, das die ungewöhnliche Umgebung, schwimmend auf der Donau als interessante Abwechslung empfunden haben dürfte.

Hymnisch in die Zukunft
Zum Abschluss griff Kolonovits tief in den Schmalz-Topf und markierte mit "Eternal Light" einen hoffnungsfrohen, poppigen und damit zeitgemäßen Abschluss. Das dürfte den anspruchsvolleren Klangwolkenbesuchern wohl am wenigsten gefallen haben, denn über die aktuelle Entwicklung der Popmusik könnte man schon diskutieren. Aber das ist heute nicht unser Thema. Das obligate Schluß-Feuerwerk in Weiß und Gelb gab uns noch einen warmen, emotionalen Kick und stimmte uns hoffnungsfroh, bevor sich die Nacht über den Linzer Donaupark legte.

Bruno Weinberger

Line up der Linzer Klangwolke 2003
Komponist, Dirigent: Christian Kolonovits
Idee: Christian Kolonovits, Peter Hulan, Chris Laska
Buch: Peter Hulan
Visualisierung: Chris Laska
Fotoinszenierung: Fritz Fitzke
Pantomime: Walter Bartussek
Sound Design: Stefan Schrupp
Klangkörper: Bruckner Orchester Linz
Solisten: Verena Gunz, Doris Danieli (Mezzosopran)
Erwin Belakowitsch (Bariton)
Popsänger: Andi Gabauer, Juci Janoska
Chor: Singgemeinschaft aus Chor Chemie Linz, Linz AG Chor, Friedl Chor, Ensemble Novantiqua
Zusatzchor: Luise Gündel, Didem Batik, Jigal Altschuler, Ki Sun Kim, Tae Sun Kim, Sharon Kim, Isabell Marxgut, Nina Bernsteiner, Yasuhi Hirano, Uta Steller, Adriana Baumann, Barbara Sommerbauer, Igor Durlowski, Thomas Paul, Martin Hulan
Pop Chor: Monika Ballwein, Andreas Gabauer, Juliane Janoska, Kai Peterson-Henry
Keyboards: Stefan Schrupp / Christian Kolonovits
Alt-Saxophon: Martin Fusz
Musikalische Gäste: Fanfare Ciocarlia / Rumänien, Amarcord Wien, Bratislava Boys Choir, Cosmic Voices of Bulgaria

Die Musik von Christian Kolonovits erschien auf CD bei Homebase Records
www.klangwolke.at und www.brucknerhaus.at
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