- Eine Legende wird 175
Happy Birthday Bösendorfer!
Die Wiener Klaviermanufaktur Bösendorfer zählt heute zu den traditionsreichsten Klavierbauern der Welt. Der Name Bösendorfer steht für ein nunmehr 175 Jahre altes Traditionsunternehmen und für weltweite Reputation in Sachen höchster Musikkultur. Damit ist Bösendorfer eines der kostbarsten Aushängeschilder im Unternehmensportfolio der Republik Österreich.
Seit Jahresbeginn 2002 ist das Unternehmen im Besitz der BAWAG-P.S.K.-Gruppe, die ihre Neuerwerbung als „Kulturinvestment mit patriotischer Note“ betrachtet.
Jährlich verlassen bei einem Exportanteil von mehr als 90 Prozent und einer Bilanzsumme von 13 Millionen Euro rund 500 Klaviere die beiden Manufakturen in Wien und im nahe gelegenen Wiener Neustadt. Die wichtigsten Exportmärkte stellen die USA (etwa 40 Prozent), Europa und Japan (jeweils rund 30 Prozent) dar. Die Zukunft wird einen Weiterausbau der Märkte Osteuropas und Chinas bringen.
Handwerkliche Perfektion und ein Hauch Geheimnis
Höchste Qualität steht im Vordergrund. In allen Bereichen, ohne Kompromiss.
Wer aus kostbaren Hölzern, Metallen und anderen raffinierten Zutaten Spitzenpianos baut, muss nicht nur handwerkliche Perfektion mit bringen, sondern auch Musikalität und die Liebe zur schwierigen Kunst des Klaviermachens. Neben hochqualifizierten Klavierbauern beschäftigt das Unternehmen über ein Dutzend der international besten Konzerttechniker, die mit enormem Aufwand und viel Gefühl den Meisterwerken den charakteristischen weltweit gerühmten Bösendorfer-Klang einhauchen.
Festlichkeiten zum 175-Jahr-Jubiläum
Das Jubiläum wird im Herbst mit drei prominenten Konzerten in Wien begangen. András Schiff, Fazil Say, und Oscar Peterson – drei herausragende Pianisten unserer Zeit geben sich die Ehre im Musikvereinssaal und Konzerthaus. Parallel zu den Festlichkeiten in der Bösendorfer-Heimatstadt Wien touren drei Anniversary Roadshows mit den außergewöhnlichsten und kostbarsten Bösendorfer Flügeln durch die USA, Europa und Asien.
Bösendorfer-Ring und Klavierwettbewerbe
Der begehrte Bösendorfer Ring ehrt etablierte Pianisten und wird von einem Virtuosen an den von ihm selbst ausgewählten Nachfolger vererbt. Derzeit darf Paul Badura-Skoda nach Wilhelm Backhaus den Bösendorfer-Ring tragen. Bereits seit 1889 veranstaltet das Unternehmen im Abstand von zwei Jahren den renommierten Bösendorfer Klavierwettbewerb, der der Nachwuchspflege dient. Schon etabliertere Pianisten messen sich seit 1961 beim internationalen Beethoven-Klavierwettbewerbs. Der Gewinner kann einen neuen Bösendorfer Flügel mit nach Hause nehmen.
Bösendorfer – Die Historie
Ihre Geburtsstunde erlebte die Bösendorfer-Klaviermanufaktur am 25. Juli des Jahres 1828, als Ignaz Bösendorfer in Wien das Gewerbe des Klaviermachers anmeldete. Bösendorfer war 1794 als Sohn eines Tischlermeisters zur Welt gekommen und hatte an der Wiener Akademie der bildenden Künste studiert. Dank großer Musikalität und technischen Verständnisses hatte ihn der Vater im Alter von 19 Jahren zum Klaviermacher Joseph Brodmann in die Lehre geschickt. 1828 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit und prägte das Unternehmen mit Innovationsgeist und technischem Perfektionswillen.
Neuartiger Klang, erste Anerkennung
Bösendorfers Versuche, die Klaviere mit der „Wiener Mechanik“ einen kräftigeren, volleren Klang zu erzeugen, waren sehr rasch erfolgreich. Trug zuerst Mundpropaganda begeisterter Kunden zu einem ersten, lokalen Ruhm bei, so stellte sich auch bald öffentliche Anerkennung ein. 1839 gewann ein Bösendorfer-Flügel eine Goldmedaille auf der Wiener Industrieausstellung, und im selben Jahr bekam Bösendorfer von Kaiser Ferdinand I hochselbst den begehrten Titel eines „k.k. Hof-Fortepianomachers“ zugesprochen – eine außergewöhnliche Würdigung für ein dermaßen junges Unternehmen.
Geadelte Qualität macht sich rasch bezahlt: Der Bösendorfer-Export nach Deutschland, England und Frankreich florierte. Bestellungen aus Ägypten, Brasilien, der Türkei und Mittelasien erreichten das Unternehmen, das diese so kraftvollen, klangstarken Instrumente zu bauen imstande war.
Franz Liszt und internationaler Ruhm
Ignaz Bösendorfer selbst war nicht nur ein begnadeter Klavierbauer, er wusste auch feine Kontakte zur Musikwelt zu spinnen und etablierte damit eine Tradition, die das Unternehmen heute noch pflegt. Der kluge Geschäftsmann eröffnete einen bald höchst populären Konzertsalon und seine Freundschaft mit Künstlern wie Franz Liszt trug dazu bei, seinen Instrumenten zu internationalem Ruhm zu verhelfen. Dessen rabiate Virtuosität ritt übrigens manch anderes Instrument zuschanden, und erst im robust gebauten, zugleich jedoch klanglich perfekten Bösendorfer Flügel fand er einen würdigen Partner. „Glücklicherweise steht auch der Ruf der Bösendorfer Flügel so fest und glänzend, dass es schwierig fallen dürfte, ihn noch zu vermehren.“ - sagte Liszt und schon bald spielten die wichtigsten Interpreten auf Bösendorfer-Flügeln.
Die Nachfrage steigerte sich dermaßen, dass man eine neue Fabrikationsstätte in Wien-Alsergrund errichtete und Bösendorfers ältester Sohn Ludwig in die Firma eintrat. Ignaz Bösendorfer selbst starb, bevor die neuen Räumlichkeiten im Jahr 1860 eröffnet wurden. Ludwig führte die Geschäfte ganz im Sinne seines verstorbenen Vaters weiter, und zwar so erfolgreich, dass die neue Fabrik bereits zehn Jahre nach ihrer Eröffnung der gesteigerten Nachfrage nicht mehr Folge leisten konnte. Die Manufaktur übersiedelte abermals, und zwar in die schönen Hallen in der Graf Starhemberg-Gasse 14, in der das Unternehmen bis heute residiert.
Bösendorfer - erste Adresse in Sachen Klavierbauen
Bösendorfer hatte schließlich den ersten Rang unter den österreichischen Klavierfabriken errungen. Im Alter von 74 Jahren verkaufte Ludwig Bösendorfer im Jahr 1909 sein mittlerweile international berühmtes Klavierimperium an seinen Freund Carl Hutterstrasser. Dem gelang es, das Unternehmen durch die Wirren des Ersten Weltkriegs zu manövrieren und den Expansionskurs nach 1918 weiter fortzusetzen. 1942 verstarb Hutterstrasser im Alter von 80 Jahren, seine beiden Söhne Alexander und Wolfgang führten die Geschäfte weiter.
Am 1. Juli 1966 verkauften sie mangels geeigneter Nachfolge die Klavierfabrik an das amerikanische Unternehmen Kimball International, Bösendorfer wurde zur Aktiengesellschaft und etablierte sich verstärkt in den USA. Seit Beginn 2002, als die BAWAG-P.S.K.-Gruppe Bösendorfer erwarb, ist das Unternehmen wieder in österreichischer Hand.
Warum geriet Oscar Peterson außer sich, als er erstmals auf einem Bösendorfer spielte?
Wilhelm Backhaus, als Pianist und Beethoven-Interpret eine Klasse für sich, brachte mit einem berühmten Zitat das Bösendorfer-Universum auf den Punkt, als er meinte: „Ich sehe im Bösendorfer viel mehr als schlechthin ein prachtvolles Klavier, sondern für mich stellt es geradezu eine ideale Verkörperung von wienerischer Musikkultur dar. Es ist kein Zufall, dass gerade dieses Klavier in dieser Stadt geboren wurde, welche auf die Heroen der Musik von jeher und bis heute eine so unwiderstehliche Anziehungskraft ausgeübt hat.“
Ludwig Bösendorfer wusste diese deklarierte Hingabe vieler berühmter Pianisten und Pianistinnen an seine Instrumente zu schätzen - und auch zu nutzen: 1872 etablierte er mit dem Bösendorfer-Saal in der Wiener Innenstadt einen Konzertsaal, der über viele Jahre hinweg einen zentralen Punkt des Wiener Musikgeschehens markierte. Hans von Bülow weihte den Saal ein, ihm folgten große Namen, u.a. Anton Rubinstein, Johannes Brahms, Béla Bartók, Edvard Grieg, Gustav Mahler, Richard Strauss uvm.
Dieser enge Kontakt zu den Interpreten beruhte natürlich auf Gegenseitigkeit. Als Ferruccio Busoni in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts etwa seine Transkriptionen der Bach‘schen Orgelwerke in Angriff nahm, fehlte ihm das passende Klavier. In Bösendorfer fand er seinen Partner: Man vergrößerte die Klaviatur des Imperial-Flügels auf volle acht Oktaven. Das Konzept bewährte sich, bis heute existiert der Imperial in dieser Form.
Gemeinsam statt Einsam
Die Bösendorfer Klavierkünstler haben trotz wechselnder Besitzverhältnisse diesen fruchtbaren Austausch zwischen Klavierbauern und ihren allerersten Kunden, den Künstlern, nie abreißen lassen. Diese Hingabe an Interpreten, Klavierbaukunst und gegenseitiges voneinander Lernen macht einen wichtigen Teils des Mythos aus, der Bösendorfer umgibt.
Die wahrscheinlich originellste Liebeserklärung an das Instrument kommt vom Kanadier Oscar Peterson, der bereits zu Lebzeiten zur Musiklegende wurde. Als er in Wien ein Konzert auf einem Bösendorfer gab, brüllte er noch während des Applauses: „Verdammt, wo kommt diese Kiste her? So eine muss ich haben!“ Sein nächster Wien-Besuch führte ihn in die Bösendorfer Manufaktur, wo er die Klaviere der Reihe nach ausprobierte: „Plötzlich kam ich an ein Instrument, das zu mir sprach, wie ich es nie vorher gehört hatte: Der Klang schien durch meine Finger, die Arme entlang, in den ganzen Körper zu fließen. ,Das ist es’, schrie ich aufgeregt, ,das gehört mir!’“
Was ein Bösendorfer mit einem Porsche zu tun hat
Zum Geburtstag machte sich Bösendorfer zuerst einmal selbst ein Geschenk: Man ließ sich von den Designern von F.A.Porsche einen Flügel in neuem, zeitgenössischen Outfit komponieren. Ein elegantes, bis in das letzte Detail raffiniert ausgeführtes Klavier. Der neue Flügel ist ein Zeichen dafür, dass das Traditionsunternehmen nicht in glorreicher Vergangenheit schwelgt, sondern dynamisch in die Zukunft blickt und den Wünschen anspruchsvoller Kundschaft folgt.
Mit Käse fängt man Mäuse
Wenn Sie bis 31. Oktober 2003 einen Bösendorfer Flügel kaufen, werden Sie mit Begleitung zu einem Galakonzert und einem wunderbaren Rahmenprogramm eingeladen. Dieses inkludiert ein Gala-Diner und die feierliche Ehrung Oscar Petersons durch den österreichischen Bundespräsidenten. Zusätzlich gibt es individuelle Besichtigungs- und Unterhaltungsprogramme - z. B. Führung durch die Bösendorfer Klavierfabrik in Wiener Neustadt, Wien-Rundfahrt, Besuch beim Heurigen und vieles mehr. Prost. Auf die nächsten 175 Jahre!
Happy Birthday Bösendorfer!
Bruno Weinberger
Zitate:
„Wie liebte ich diesen Bösendorfer! Danke.“
Leonard Bernstein
„Bösendorfer. In jedem Bereich weit überlegen. Der Klang, die Kraft, die Schönheit, die Nuancen, einfach perfekt.“
Philippe Entremont
„Bösendorfer, der beste Konzertflügel, den ich je spielte“.
André Previn
„Verdammt, wo kommt diese Kiste her? So eine muss ich haben!“
brüllte Oscar Peterson im Schlussapplaus seinem Bassisten zu.
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