Musikmagazin
Wer ist Nebojsa Krulanovic?
First of all – „er ist wirklich ein ganz Lieber“. Das hört man immer wieder, wenn man mit Leuten spricht, die mit ihm arbeiten. Zurückhaltend, ja fast scheu wirkt der musikalische Leiter für Schauspiel von Linzer Landestheater. Dabei hat seine Musik echt Pfeffer!
Mediale Aufmerksamkeit erreichte Nebojsa Krulanovic erst richtig durch das erste „Jazzwa“ Konzert in den Linzer Kammerspielen im März 2005. Das Konzert musste zwei mal wiederholt werden und war jedes Mal ausverkauft. „Ich bin ja sonst eher zurückhaltend mit Beifallskundgebungen bei Konzerten, aber bei dieser Musik hat es mich einfach vom Stuhl gerissen...“ erzählte uns Frau Victoria von Aigner, die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Linzer Landestheaters.
Ein musikalisches Multitalent: Mag. Nebojsa Krulanovic – Pianist, Komponist, Arrangeur und Musikalischer Leiter für Schauspiel am Linzer Landestheater.
Der Musiker arbeitet seit 1992 am Linzer Landestheater. In diesen 13 Jahren wirkte Krulanovic an zahlreichen Produktionen mit, u.a.: „Der gute Mann von Sezuan“, Höllenangst“, „An wen soll ich schreiben“, „Der Zauberer von Oos“ (12 Titel komponiert), „Der Räuber Hotzenplotz“ (Komposition, über 1.000 CD´s verkauft), „3x Cevapcici“ (40 x ausverkauft - aus dieser Produktion entwickelte sich das Jazzwa Projekt), „The Rocky Horror Show“, „Hotel Normandie“ (ein Chansonabend - läuft noch bis Juni 2006) und „Trans Danube Music Orient Express Band“ (60 Leute mussten an der Abendkasse wieder nach Hause geschickt werden). Das ist eindrucksvoll.
Nebojsa Krulanovic hat Klassik studiert und hat keine Angst vor Pop oder Rock. Seine Liebe zu der lebensfrohen Balkanmusik kann er mit seiner „Jazzwa“ – die Band kam ins Finale des „Festivals der Klänge“ – dem Österreichischen World Music Preis – voll ausleben. Sein Sternzeichen ist der Wassermann im, wie bei Mozart. Er ist ein sehr herzlicher Mensch uns seine Augen leuchten, wenn er über seine Frau und Kinder spricht. Wir haben den Künstler kennen gelernt, als er vor 13 Jahren nach Linz gekommen ist und finden, dass es höchste Zeit war, ein Interview mit ihm zu führen.
Die Produktion „Cevapcici“ war 40 mal ausverkauft. Nach diesem Erfolg schlug Intendant Klügl Krulanovic vor, ein Konzert in diesem Stil vorzubereiten. Daraus entstand die Band „Jazzwa“.
Das Interview
Der Weinberger: Wie bist Du zur Musik und zum Klavierspielen gekommen?
Nebojsa Krulanovic: Ich komme aus einer musikalischen Familie. Mein Vater war Professor für Psychologie und hat Akkordeon und Mandoline gespielt. Meine ältere Schwester spielt Geige, auch heute noch. Ich habe mich mit sieben Jahren in der Musikschule in Sarajevo angemeldet und habe dort Klavier gelernt. Nach meinem Klavierstudium habe ich an der Musikschule sieben Jahre unterrichtet.

Der Weinberger: Wie bist Du nach Österreich gekommen?
Nebojsa Krulanovic: Durch ein Engagement am Klagenfurter Stadttheater. Ich habe 1986 einen Vertrag für zwei Jahre als Korrepetitor bekommen. Danach bin ich wieder nach Sarajevo zurück gegangen. Es war zu der Zeit noch alles ruhig, aber jeder wusste, dass es Krieg geben würde. Deshalb bin ich sehr bald wieder zurück nach Klagenfurt, obwohl ich nie vorgehabt habe, mein Land richtig zu verlassen. Jedenfalls hatte ich Glück, denn sonst hätte ich im Krieg kämpfen müssen. 1991 bin ich dann nach Linz gekommen. 1992 bekam ich eine Stelle am Landestheater als Korrepetitor, was ich bis 1998 auch machte. 1995 habe ich hier geheiratet. Ich habe zwei Kinder und bleibe nun auch hier.

Der Weinberger: Du arbeitest am Theater, komponierst, spielst Klassik, Jazz bis Rock. Was ist Deine musikalische Intention?
Nebojsa Krulanovic: Ich habe Klassik studiert. Nebenbei habe ich aber immer wieder in Jazz, Pop oder Rock-Formationen gespielt. Allerdings war mein Spiel nicht richtiger Jazz, denn ich hatte ja keine Jazz-Ausbildung. Wir haben versucht, von Platten irgendwelche Griffe nach Gehör herunter zu hören. Ich bin also kein Jazz Pianist. Eine Begabung dazu hätte ich schon, mir fehlt nur leider die Zeit zum Üben.

Der Weinberger: Wie sieht Deine Arbeit als musikalischer Leiter des Schauspiels am Linzer Landestheater in der Praxis aus?
Nebojsa Krulanovic: Nach meiner Zeit als Korrepetitor hat mich der Intendant des Landestheater, Herr Klügl, mit kleineren Kompositionsaufträgen betraut. Daraus hat es sich ergeben, dass ich immer mehr komponiert habe. Ich habe schon als Kind versucht eigene Sachen zu schreiben, nun mache ich das beruflich.

Der Weinberger: Bist du nun eher Komponist oder ausübender Musiker?
Nebojsa Krulanovic: Jetzt bin ich eigentlich beides. Ich komponieren und arrangiere für Theaterstücke. Diese Stücke spiele ich im Landestheater auch selber und ich spiele auch in meiner „Jazzwa-Band“. Die erste CD mit dieser Band produzieren wir gerade und die Vorstellung ist für April 2006 geplant.

Der Weinberger: Was machst Du lieber, komponieren/arrangieren oder spielen?
Nebojsa Krulanovic: (denkt nach...) Am liebsten spiele ich eigentlich Klavier. Wenn ich mehr Zeit hätte, dann würde ich täglich drei, vier Stunden Klavierspielen.

Der Weinberger: Was möchtest du noch machen, wohin soll Dein Weg gehen?
Nebojsa Krulanovic: Jetzt geht es wirklich los. Ich habe das Gefühl, dass ich nun genug Kraft, Willen und Glauben habe, weiterzumachen. Ich wollte ursprünglich immer in der Schule unterrichten – ich glaube, ich wäre der richtige Typ dafür. Das hat sich aber hier in Linz nicht ergeben. Und jetzt will ich im Linzer Landestheater bleiben. Natürlich geht’s auch mit der Jazzwa-Band voran. Für die Zukunft wünsche ich mir, Filmmusik zu schreiben. Das interessiert mich sehr und ich hätte auch ein Gefühl für diese Arbeit.

Der Weinberger: Danke fürs Gespräch
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