Musikmagazin
Jazzlegende Joe Zawinul gestorben
Joe Zawinul versetzte sein Publikum mit seiner Musik in Staunen. Der Musiker gilt als einer der bedeutendsten Jazzpianisten der Nachkriegszeit und als Miterfinder des Hip-Hop. Am 11. September 2007 verstarb der Künstler 75-Jährig an einem Hautkrebsleiden in einem Wiener Krankenhaus.
Seit dem Ende seiner letzten Europa-Tour Anfang August war der Keyboarder zur Behandlung in einem Wiener Krankenhaus. Er hatte bei seiner stationären Aufnahme die Presse gebeten, seine Privatsphäre zu respektieren und ihn in Ruhe zu lassen.
Der austro-amerikanische Pianist und Keyboarder hatte am 7. Juli seinen 75. Geburtstag gefeiert. Die Zeitung "Die Welt" rühmte zu seinem Jubiläum "die ungeheure Konzentrationsleistung" des Pianisten" bei der Navigation auf fünf Tasteninstrumenten" bei einem Konzert seiner Band Syndicate in der Hamburger Fabrik. O-Ton: "Während um ihn herum ein an Differenziertheit schwerlich zu überbietendes Percussiongewitter zischelte und brodelte, während der Gitarrist wild grimassierend kleinste Notenwerte aus seinem Instrument heraustackerte und der hünenhafte Bassist genau getimte Wärmeeinheiten in den Raum aussandte, hockte Zawinul wie ein Aushäuslerbauer auf seinem Schemel, zwei Keyboards vor sich, zwei zur Rechten und eins im Rücken."
Zawinul gehörte zu den Größen des Jazz. Mit seinen Kompositionen, beeinflusste er den zeitgenössischen Jazz nachhaltig. Zawinul führte zahlreiche neue Stilelemente ein und sorgte mit neuartiger Rhythmik für eine Weiterentwicklung der Musik. Durch Songs wie "Mercy, Mercy, Mercy" oder "Birdland" wurde er weltweit berühmt. In den USA hatte er 1970 die legendäre Band "Weather Report" gegründet, die als Jazz-Rock-Gruppe Furore machte. 1987 folgte das Zawinul Syndicate, eine Formation mit wechselnden weltbekannten Musikern. Er spielte mit den besten Musikern seiner Zeit, u.a. mit Wayne Shorter, Peter Erskine, Jaco Pastorius und Miles Davis. Zwischen 1987 und 1994 trat Zawinul mit dem Wiener Pianisten Friedrich Gulda auf, mit dem er an der Wiener Musikakademie studiert hatte. Zu Gulda sagte Zawinul später einmal: „Ich würde gerne so Klavierspielen können wie Du, aber Dein Talent will ich nicht haben...“. Mit dem austro-amerikanischen Pianisten und Produzenten Peter Wolf, den er einmal als seinen vierten Sohn bezeichnet hat und der nur ¼ Stunde von ihm entfernt in Malibu lebt, war er gut befreundet.
Vom renommierten Jazz-Magazin »Down Beat« wurde Joe Zawinul 28 Mal (!) zum besten Keyboarder gewählt. In Österreich wurde Zawinul vielfach geehrt, u. a. mit dem Hans-Koller-Preis 2000, dem Auslandsösterreicherpreis 1997 und dem Amadeus Award. Seit 2004 spielte er regelmäßig in dem von ihm gegründeten Wiener Jazzclub "Birdland", der von seinem Sohn Erich geleitet wird.
Joe Zawinul war viele Jahre verheiratet. Seine Frau Maxine ist erst sechs Wochen zuvor in einer Klinik in Los Angeles verstorben.
Paul Gulda, in Erinnerung an den Verstorbenen: »Ich durfte zweimal mit Joe Zawinul an zwei Klavieren spielen. Diese Erlebnisse und die Proben dafür im Hause Bösendorfer werden mir unvergesslich bleiben. Joe war ein genialer Erzmusiker und ein ehrlicher, direkter und warmherziger Mensch, der die Freundschaft zu meinen Eltern auch auf mich ausgedehnt hat. Ich behalte ihn in lieber Erinnerung.«

Ich kannte Joe viele Jahre und hatte die Ehre, ihn in seinem Haus in Malibu klaviertechnisch betreuen zu dürfen. Er hat mir oft von seinen Konzerten und Plänen erzählt. Er war voller Energie und Begeisterung, wenn er über seine Musik sprach, auch als 75-jähriger. Er war ein Vorbild für Musikergenerationen. Good bye Joe, du wirst uns fehlen.

Bruno Weinberger
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