Musikmagazin
15 Jahre Klavierhaus Weinberger
Die Geschichte eines Traumes, Teil II
Das Klavierhaus Weinberger wurde 1991 von Bruno Weinberger gegründet. In den 15 Jahren seines Bestehens wuchs die Firma zu einem der größten österreichischen Klavierhäuser. Neun Mitarbeiter, 500 m², über 1000 verkaufte neue Klaviere, 5000 Kunden zwischen Bozen und Budapest, über eine Million Euro Umsatz. Ein eigenes Kundenmagazin, eine eigene Klaviermarke und ein Bekanntheitsgrad wie ein altes Traditionsunternehmen.
Wie es dazu kam, darüber sprachen wir mit Bruno Weinberger. Lesen Sie hier die Fortsetzung des Interviews der letzten Ausgabe:
Aris Mihelinakis: Herr Weinberger, welches Ihrer Klaviere ist Ihnen das Liebste?
Bruno Weinberger: Das ist schwer zu sagen. Emotional hänge ich besonders am Vision One, weil es das 3rste war. Als Klaviermacher bin ich auf den Passion Flügel besonders stolz, weil hier viel von meinen Ideen drinnen steckt, wie z. B. das spezielle Design. Den Flügel am Zeichenbrett zu entwickeln, war eine große Herausforderung, die mir sehr viel gegeben hat. Als Kaufmann freue ich mich über den Erfolg unseres kleinsten, des Weinberger Companion Pianos. Ich habe überhaupt noch nie in so kurzer Zeit so viel Nachfrage nach einem einzelnen Modell gehabt wie bei diesem Modell.

Aris Mihelinakis: Wie viele Weinberger Klaviere gibt es denn schon?
Bruno Weinberger: Aktuell stehen wir bei op. 155.

Aris Mihelinakis: Alle schon verkauft?
Bruno Weinberger: Nein, wir haben auch etliche davon vermietet. Gerade das Companion ist ja für Anfänger eine ideale „Einstiegsdroge“. Außerdem verkaufen wir auch über unsere Händler. Zum Beispiel Key-Wi Music in Salzburg, die erst kürzlich ein großes neues Haus eröffnet haben und das renommierte Klavierhaus Förstl in Wien. In Deutschland sind wir neuerdings durch die Traditionsfirma Pfeiffer in Leonberg bei Stuttgart vertreten. Darauf sind wir besonders stolz.

Aris Mihelinakis: Sie vertreten mit Ihrem Klavierhaus verschieden Klavierhersteller. Darunter Bösendorfer, die ja seit geraumer Zeit nicht aus den Schlagzeilen kommen, Pfeiffer, eine in Österreich nicht sehr bekannte Marke, weiters Seiler und Sauter, beide verhältnismäßig kleine deutsche Firmen. Nur Yamaha ist eine bekannte und gut verkaufende Marke. Sind Sie sicher, hier die richtige Auswahl getroffen zu haben?
Bruno Weinberger: Was bedeutet „richtige Auswahl“? Soll ich mir den Salon mit chinesischen Produkten vollstellen, nur weil sie uns die mit Ihrer Kapitalkraft alles gratis zur Verfügung stellen? Oder Steinway & Sons, die ohnehin 90% des Konzermarktes dominieren? Was ist mit den Herstellern, denen die chinesischen Hersteller ihr Know-how verdanken? Sollen wir die nun fallen lassen, nur weil die Chinesen derzeit alles mit ihren Billigprodukten niederwalzen? Dafür stehe ich mal grundsätzlich nicht zur Verfügung. Meine Auswahl an Marken beruht vor allem auf Überzeugung, Kontinuität und Qualität. In dieser Hinsicht bin ich sehr konservativ, ein „Überzeugungstäter“. Qualität ist mir näher als der kurzfristige Erfolgsoptimierungsgedanke. Und am Ende des Tages dürfen wir eines nie vergessen: Nur Klaviere, die mit ihrem Klang den Bauch treffen, machen Freude und bringen Menschen zum Klavierspielen. Diesen Anspruch erfüllt kein E-Piano und kein beliebiges Billigklavier aus Fernost. Da kann ich manche meiner Kollegen nicht verstehen, die in den Fachgremien von der hohen Kunst sprechen und zu Hause ein Produktsortiment mit einem Durchschnittswert von 3.500,-- Euro stehen haben. Dann wundern wir uns, wenn die Kids mit solchen Geräten zum Üben wieder mit dem Klavierspielen aufhören. Ich würde es auch lassen.

Aris Mihelinakis: Aber Herr Weinberger, runter vom Gas! Ich denke, die LeserInnen haben verstanden, wie Sie über Billigklaviere denken. Schauen wir mal ans andere Ende Ihres Angebots: Pfeiffer und Bösendorfer.
Bruno Weinberger: Bösendorfer. Hmmm... Es war ja viel zu lesen in den Medien. Es gibt tausende Bösendorfer Coachs, die genau wissen, was zu tun ist – ist schon fast wie beim Fußball. Aber auf den Punkt gebracht: Jede Diskussion ist im Moment sinnlos, denn erst nachdem der kommende neue Eigentümer der BAWAG Stellung nimmt, wird wieder Bewegung in die Sache kommen. Mir persönlich gefällt das nicht. Denn wozu kann sich irgend ein Fond verpflichtet fühlen, wenn sie Bösendorfer wirklich weiter verkaufen? Die BAWAG hätte eine Verantwortung gehabt und sie wohl auch wahrgenommen. Aber die Sorge vieler steht im Raum, dass ein neuer BAWAG Eigentümer vielleicht unbedacht und ohne viel Rücksicht zu nehmen, an einen „Meistbieter“ nach Asien verkauft. Andererseits – „die Angst betrachtet Probleme mit dem Vergrößerungsglas“. Sollte Bösendorfer wirklich bald verkauft werden, rechne ich mit einem großen Ansturm von Kaufinteressenten. Jeder, der es sich leisten kann, wird noch einen der Bösendorfer aus der „guten alten Zeit“ haben wollen.
Und zu Pfeiffer: Pfeiffer Klaviere kennt man ich Österreich noch kaum. Leider. Ich bin seit vielen Jahren mit Herrn Dr. Pfeiffer bekannt und mittlerweile gut befreundet. Eigentlich wollte ich schon lange Zeit die Pfeiffer Vertretung für Österreich übernehmen, weil ich diese Klaviere für überragend halte. Allerdings gab es gültige Vertretungsvereinbarungen, in die ich mich nicht reindrängen wollte. Aber wie es dann oft so ist – plötzlich hat sich eine Gelegenheit ergeben, und ich habe zugegriffen. Geschäftlich gesehen war dies sicher eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre. Wir haben heuer, in unserem ersten Pfeiffer-Jahr überraschend gut verkaufen können, obwohl die Instrumente teuer sind. Das ist nicht nur gut für den Umsatz. Es zeigt mir auch, dass wir nach wie vor Kunden haben, die das musikalische Gefühl, die guten Ohren und auch das nötige Geld haben. Die Landesmusikschulen sind diesbezüglich ein unverzichtbarer Partner, denn dort lernen unsere Kinder das Hören. Schade, dass die finanziellen Mittel der Schulen fast nur mehr Mittelklasseinstrumente von Yamaha und Kawai zulassen. Hier hoffe ich noch auf eine Verbesserung der Situation.

Was sagt Weinberger über seine Serviceabteilung, „Geiz ist Geil“ und die Zukunft? Lesen Sie dazu den dritten Teil des Interviews zu 15 Jahre Klavierhaus Weinberger in der nächsten Ausgabe.

Aris Mihelinakis
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