- Unerhört! Pianomobile radelt wieder
- Sie hat es wieder getan. Mit dem Flügel durch das Donautal. Die Premiere hatte Piano Mobile 2004 (Coverstory „Weinberger“ 36). Ein Jahr Pause war genug. Diesmal ging die Reise von Grein nach Melk. 3. – 6. September 2006.
- Für die Pianistin Karen Schlimp liegt der Reiz des Projekts darin, als Klavierspielerin wirklich mobil zu sein: „...während der Fahrt spielen zu können, in Bewegung Musik zu machen. Nur das bedeutet, mit Musik wirklich unterwegs zu sein. Während die Landschaft vorbei zieht und die Umgebung sich verändert, entsteht Musik.“ Das Pianomobile brachte mobile Musik in Beziehung mit den Orten, den Menschen, der Landschaft und allem, was rundum geschieht. Bach und Barock zum Frühstück, Improvisation während der Fahrt, und Romantik, Jazz, Weltmusik und freie Improvisation mit TänzerInnen an Standplätzen und am Abend.
"Ich genieße die Musik in der Natur. Immer wieder ist mein Herz vor Freude gehüpft."- Die Stationen von Pianomobile 2006
- Tag Eins: Der Start in Grein
Am 3. September nachmittags startet das „Flügelgespann“ mit einem Startkonzert am Stadtplatz von Grein. Nach einigen großen und kleinen Katastrophen sind die Akteure versucht, „Desastermobile“ zu sagen: Sie vereinbaren eine Überfahrt mit den Greiner Schiffern, und der Obmann verstirbt unvermutet. In dem Schreck und der Trauer darüber erreichte sie der Anruf, dass der Pianomobile-Malheur-Reparateur vom Fahrrad geköpfelt ist und im Spital liegt.
„Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen“ ist das neue Motto. Und tut es auch nicht.
In Hössgang, gegenüber von Grein, wartet schon eine kleine Schar an Gästen und Einheimischen und glaubt noch immer an einen blöden Schmäh, bis Pianomobileuse Karen Schlimp und Cellomobileuse Magdalena König auf der Wiese einfahren. Zum Dank fürs Warten gibt es ein Konzert mit Streifzügen zwischen Bach, Debussy, Pärt und zeitgenössischer Improvisation.
Tag zwei: Von Grein nach Ybbs
Wetterbedingt – leichter Regen am Morgen – beschert das Wetter der lustigen Truppe einen späten Aufbruch. Die erste Panne, im internen Vokabular „Pianopängile“, kostet einen neuen Reifen. Der Ybbser Empfang ist frostig, trotz der Schwüle. Die gesamte Prominenz ist bei einer ÖVP-Wahlkampfbrüllerei in der Stadthalle. Die Pianomobilemannschaft muss sich derweilen am Hauptplatz von Mitgliedern der angeheiterten Blasmusi eine Gosch’n anhängen lassen. Am Schluss taut Ybbs dann doch noch auf: Der Wirt vom Ybbserl, einem kleinen Lokal an der Donau, lädt ein. Es gibt Debussy und Improvisation. Die Leute strömen in den Gastgarten.
Eine Lehrerin, die über dem Lokal wohnt, lädt Pianomobile und -mobilistInnen in ihren kleinen Garten ein zum Übernachten. So stehen Flügel und Zelte dicht an dicht zwischen den Rabatten.
Tag drei: Von Ybbs nach Pöchlarn
Adieu, Ybbs. Der Tross fährt vorbei an Säusenstein nach Pöchlarn. Musikalisch erfährt Pianomobile eine Erweiterung: Die Geigerin Irene Kepl bringt Bachsonaten und Improvisation, Pianist und Akkordeonist Günter sowie der Saxophonist Wolfgang Weissengruber sorgen für jazzige Erweiterungen. Zwei spontane Akkordeon-Gäste („jo, i hob des im Radio ghört und hob ma denkt, do muasst unbedingt hinschaun“) bringen kreative Verbindungen aus Bodenständigem und Avantgardistischem.
Es wird vor allem ein medial erfolgreicher Tag. Radio Oberösterreich hat am Vortag berichtet, und die Kollegen von nebenan schickten nicht nur einen Radioreporter, sondern gleich ein Kamerateam. So schafft es Pianomobile ins „NÖ Heute“. Gegen Abend eine Fahrt bei Fast-Vollmond. Der Mondschatten erhellt die Tasten, das Klavier klingt mystisch. "Das hat Sex", rufen ein paar Jugendliche vom Straßenrand zu. In Pöchlarn wird Pianomobile freudig erwartet: Der Betreuer des Naturfreundehauses steht schon in der Tür und empfängt die mittlerweile auf zwölf Leute angewachsene Bande.
Tag vier: Von Pöchlarn nach Melk
Sehr spät gelingt der Aufbruch von Pöchlarn. Die Künstler pendeln zwischen Frühstück und Improvisation hin und her und können sich vom freundlichen Naturfreundehaus schwer trennen. Endlich auf dem Weg wird Pianomobile von einem schwarzes Auto eingeholt. Ein Journalist, der die Truppe schon den ganzen Tag gesucht hatte. Alles hätte er abgeklappert in Pöchlarn: „Alle Hotels, die Polizei". „Haben Sie ein Klavier auf einem Fahrrad gesehen?" Die Antworten lagen zwischen mitleidigem Kopfschütteln und der Ansage "hast des g’hert Erni, kumm foah’r ma schnöö, der spinnt".
Unbeeindruckt von den Umständen bemerken die Künstler den Lawinen-Effekt: Sobald einer berichtet (diesmal war es Radio Oberösterreich), kommt eine Lawine von anderen Medien in Bewegung. Immer öfter wird Pianomobile am Radweg nicht nur ungläubig bestaunt, sondern winkend begrüßt. „Die Leute erwarten uns, suchen uns.“
Eine Frau, die mit dem Auto vorbei fährt, bleibt mitten auf der Strasse stehen, steigt aus und läuft uns nach "Da ist es, endlich!". Pianomobile wird langsam bekannt.
Dabei ist die Reise schon zu Ende. In Melk werden die Musiker schon sehnsüchtig erwartet und freundlich empfangen. „Die Stadt Melk war auch eine der beiden Gemeinden, die sich wirklich für Pianomobile interessieren und unterstützt haben. Wir kommen gerne wieder!“ meint Karen Schlimp
Aris Mihelinakis
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