Musikmagazin
Bösendorfer wird verkauft, wird nicht verkauft, wird verkauft, wird nicht verkauft...
Die Pressemeldungen der letzten Monate waren turbulent. Ob Zeitung, Radio, Fernsehen, Internet - an Berichten über den bevorstehenden Verkauf der österreichischen Traditionsmarke Bösendorfer kam man nicht vorbei. Und dies obwohl die Wiener Klaviermanufaktur sicher zu den kleineren Beteiligungen des Eigentümers BAWAG gehört. Das „Nationalheiligtum“ stand im Mittelpunkt des medialen Interesses.
Die ganze Wahrheit
Die Auf und Ab´s in dieser Zeit können wir hier nicht wiedergeben. Aber wir wollen nach widersprüchlichen Medienberichten über den wahren Status Quo bei Bösendorfer berichten. Dazu ist es uns gelungen, einen der wichtigsten Mitglieder des Führungskreises, Herrn Andreas Kaufmann, für ein Exklusivinterview zu bekommen.
Kaufmann stieg im August 2004 bei Bösendorfer als Vertriebsleiter ein. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, das Ergebnis seiner Verantwortung steht im Zentrum des Interesses. Auch wenn sich vieles im Umfeld ändern kann, ein neuer Geschäftsführer oder Eigentümer kommt - der Vertriebsleiter ist, wie der technische Leiter, Ferdinand Bräu, eine Säule im Unternehmen, einer, der nicht leicht ersetzbar ist. Der Mann hat derzeit viel zu tun, rund um die Uhr, rund um die Welt. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Terminfindung für diesen Artikel. Aber zwischen einer China- und USA-Reise haben wir ihn gekriegt. Lesen Sie das nachfolgend das Interview über den aktuellen Stand bei Bösendorfer:
Das Gespräch führte Bruno Weinberger.
Bösendorfers Vertriebsleiter Andreas Kaufmann berichtet in einem Exklusivinterview über die aktuellen Entwicklungen bei Bösendorfer – über den bevorstehenden Verkauf, Schwierigkeiten und Erfolge.
Der Weinberger: Zuerst eine persönliche Frage: In Anbetracht des turbulenten letzten Jahres - gehen Sie morgens gern zur Arbeit?

Andras Kaufmann: Absolut! Wir haben die Herausforderungen des stark veränderten Klaviermarktes voll angenommen und uns dafür neu positioniert, was natürlich im ersten Moment auch Turbulenzen verursacht hatte. Allerdings beginnen die gesetzten strategischen Maßnahmen in der Zwischenzeit zu greifen und stellen sich als richtig heraus. Das motiviert natürlich ungemein und ich freue mich jeden Tag für dieses wunderbare Unternehmen tätig sein zu dürfen.

Der Weinberger: Wie den Medien zu entnehmen war, kann Bösendorfer nach einem schlechten Jahr 2005 dieses Jahr wieder Umsatzzuwächse berichten. Sind Maßnahmen geplant um diesen Trend weiter zu forcieren?

Andreas Kaufmann: Tatsächlich konnten wir seit April 2006 einen signifikanten Umsatzzuwachs erzielen und das in einem für die Klavierbranche international sehr schwierigen Jahr. Mit entsprechenden Marketingaktionen wird es uns gelingen diesen Trend fortzusetzen.

Der Weinberger: In den Medien war zu lesen, dass Bösendorfer vom Eigentümer BAWAG verkauft werden soll, dann wieder nicht. Auch über verschiedene Interessenten, u.a. Yamaha wurde berichtet. Wie ist denn nun der aktuelle Stand in diesem Prozess?

Andreas Kaufmann: Vor allem in Österreich gab und gibt es rund um den Verkauf teilweise atemberaubende Medienberichte. Das einzige, was derzeit tatsächlich fix ist, ist die Entscheidung, jegliche Verhandlungen bis nach dem Verkauf der BAWAG selbst auszusetzen. Was danach passiert ist reine Spekulation. Für uns gilt jedenfalls business as usual und voller Fokus auf den Erfolg und die Topqualität von Bösendorfer.

Der Weinberger: Im Herbst 2005 sagte die Geschäftsführung der Klaviermanufaktur Bösendorfer in einem Interview mit dem Weinberger, dass sich Bösendorfer wieder verstärkt auf den europäischen Markt konzentrieren möchte. Was ist hier inzwischen passiert?

Andreas Kaufmann: Im Jahr 2005 haben wir für den europäischen Markt zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen freigemacht. Mein Team hat sich in einer ersten Phase darauf konzentriert die einzelnen Märkte nach Stärken und Schwächen zu analysieren. Anschließend kam es zu den bereits angedeuteten Umstrukturierungen und der Umsetzung neuer Marketingstrategien. So wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, in Montreux ein großer, unabhängiger Bösendorfer-Showroom eröffnet. Im Zuge dieser Eröffnung konnte sich Bösendorfer dieses Jahr als exklusiver Klavierpartner beim international renommierten „Montreux Jazzfestival“ gegen seine Konkurrenten durchsetzen und zeitgleich den „Bösendorfer Piano Solo Competition“ durchführen. Diese Investitionen haben sich gelohnt: wir konnten mit einer YTD Umsatzsteigerung von 25% den Mitbewerb weit hinter uns lassen.

Der Weinberger: Im Wachstumsmarkt Asien, speziell in China, verkaufen sich auch Spitzeninstrumente immer besser. Wie geht es Bösendorfer dort?

Andreas Kaufmann: China ist auch für uns ein absoluter Hoffnungsmarkt. So haben wir einen sehr ambitionierten Marketingplan erarbeitet und beträchtlich in diesen Markt investiert: dadurch haben wir's geschafft uns gegen schärfsten Mitbewerb als Hauptsponsor des größten chinesischen Musikfestivals zu positionieren. Dieses wird im chinesischen Zentralfernsehen in der Hauptsendezeit an über eine Milliarde Chinesen größtenteils live übertragen, was den Höhepunkt unserer bisherigen Aktivitäten darstellt. Im Zuge der bereits voll angelaufenen Vermarktung dafür sind bereits einige strategisch wesentliche Erfolge im öffentlichen Bereich bei wesentlichen Konzertstätten Chinas abgeschlossen worden. Damit liegen wir genau auf Kurs, um auch in diesem hochkomplexen Markt spätestens in 3 Jahren den angepeilten Marktdurchbruch zu schaffen - wie wir das in anderen asiatischen Märkten, wie zum Beispiel in Taiwan, bereits dieses Jahr erreichen konnten.

Der Weinberger: Wie würde Sie die aktuelle Situation der Firma Bösendorfer weltweit skizzieren?

Andreas Kaufmann: Um das Wesentliche gleich vorweg zu nehmen: wir haben dieses Jahr im Gesamten wieder ein klares Umsatzplus und die weltweiten Rückmeldungen in Bezug auf die Qualität unserer Instrumente sind überwältigend! Zu den Märkten im Einzelnen, Europa und China habe ich bereits erwähnt, Japan konnte durch den krankheitsbedingten Ausfall von Herrn Aichinger (Anm. d. R.: Geschäftsführer bis März 2006) nicht zu 100% bearbeitet werden. Gerade dort sind lange gewachsene, personengebundene Geschäftsbeziehungen von größter Bedeutung - da heißt es Daumenhalten, damit die Endverhandlungen für eine entsprechende zukunftsweisende Lösung rasch abgeschlossen werden können.
Auf dem amerikanischen Markt konnten wir mit unserer schlagkräftigen Vertriebsstruktur eine Umsatzsteigerung erreichen und das trotz des nach wie vor ungünstigen Dollarkurses, der unseren Hauptkonkurrenten nicht trifft (Anm. d. Red. : Steinway & Sons produziert für den US Markt in New York). Das bedeutet insgesamt: Unser Arbeitspensum ist unverändert hoch und ambitioniert, aber genau das in Kombination mit unseren Erfolgen motiviert und fasziniert das gesamte Team.
Der Weinberger: Wie geht’s mit dem Bösendorfer Piano weiter? Es war gerüchteweise zu hören, dass die Pianoprodukion eingestellt werden soll.

Andreas Kaufmann: Diese Gerüchte sind völlig absurd. Ganz im Gegenteil: wir haben aufgrund der starken Nachfrage die Produktion in diesem Jahr sogar signifikant erhöht. Gerade Amateure erfreuen sich an diesen herrlichen in monatelanger Arbeit gefertigten Instrumenten. So hat beispielsweise die Fußballlegende Felix Magath dieses Jahr ein Bösendorfer-Pianino erworben.

Der Weinberger: Zu Beginn dieses Jahres hat Bösendorfer mit dem Projekt "Bösendorfer Piano Design Award" die Aufmerksamkeit zahlreicher internationaler Architekten auf sich gezogen. Hat dieses Projekt abgesehen von der medialen Aufmerksamkeit auch nachhaltige Auswirkungen auf die Klaviermanufaktur selbst ?

Andreas Kaufmann: Bösendorfer ist die Klaviermanufaktur mit dem höchsten Anteil an Handarbeit weltweit. Neben der einzigartigen Klangqualität ermöglicht uns diese Tatsache auch viel mehr Freiheit in Design und Gestaltung der Klaviere. Der Bösendorfer Piano Design Award hat uns einen völlig neuen Zugang in die Welt der individuell gestalteten Designerinstrumente eröffnet, was sich natürlich auch direkt auf die Produktion auswirkt. Während Österreich noch immer sehr stark an den klassisch schwarz polierten Flügeln orientiert ist, weisen Länder wie Frankreich, Russland, Japan oder den USA einen steigenden Absatz von Designinstrumenten aus. Bei der Umsetzung hilft uns die langjährige Erfahrung der Bösendorferianer im Kreieren von einzigartigen Instrumenten auf höchstem Niveau. Abgesehen von diesen zusätzlichen Umsätzen wurden wir durch diese Aktivitäten von einigen hochkarätigen Unternehmen kontaktiert, mit denen wir gerade an zwei faszinierenden Projekten arbeiten - ich kann's kaum erwarten Ihnen in Kürze mehr zu erzählen...

Der Weinberger: Mit dem CEUS-Computerflügel hat Bösendorfer einen neuen Qualitätsstandard definiert. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Tradition und Innovation in Bezug auf Ihre Instrumente?

Andreas Kaufmann: „Tradition bewahren, Grenzen überschreiten“. Die Tradition ist natürlich eines der großen Geheimnisse unseres Erfolges. So gibt es den Bösendorfer Imperial ja schon seit über 100 Jahren. Aber natürlich ist es wichtig neuen Entwicklungen aufgeschlossen zu sein und ständig nach höchstmöglicher Perfektion zu streben. Innovation ist für ein Unternehmen heute unerlässlich und beweist seine Vitalität.

Der Weinberger: Wie ich hörte, wird bei Bösendorfer an einem völlig neuen Flügel für die Bühne gearbeitet, angeblich mit speziellen Samples, Midi-Kompatibilität und zu einem sehr guten Preis. Können Sie darüber etwas erzählen?

Andreas Kaufmann: Wir arbeiten momentan an einem Bösendorfer-Bühneninstrument mit Midi-Samples in noch nie da gewesener Qualität. Und das Ganze – wie Sie sagen – zu einem sehr guten Preis. Der Prototyp wurde bereits von Peter Wolf in den Staaten und von Claire Worrall, der Pianistin von Robbie Williams, mit Begeisterung getestet.

Der Weinberger: Danke für´s Gespräch!
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