- Wolf werkt wieder
Nach 25 Jahren wieder live auf europäischen Bühnen - 18. September 1980, 20 Uhr: Die Wiener Stadthalle ist voll, 20 Musiker betreten die Bühne und gehen still zu ihren Instrumenten. Als Frank Zappa die Bühne betritt, beginnt die Halle zu beben. Er geht zum Dirigentenpult, dreht sich zum Publikum und gebietet energisch Schweigen. Alle verstummen – es wird unwirklich still. Zappa hebt langsam den Taktstock, die Musiker warten konzentriert auf den Einsatz.
Unter ihnen der Österreicher Peter Wolf, Pianist und Keyboarder.
- Es ist die letzte Welttournee, die der gebürtige Vorarlberger und Wahlamerikaner mit dem großen Frank Zappa unternimmt. Abgesehen von einer Tour mit André Heller 1982, war dies der letzte Live-Gig, den Wolf in Österreich, ja Europa, gespielt hat. 25 Jahre – eine lange Zeit, in der sich der Musiker zum Musikproduzenten, Dollarmillionär, Rolls Royce Fahrer und Hausbesitzer mit Oceanview in Malibu entwickelt hat. Wie hat er das geschafft?
Seine Musikerkarriere begann sehr vielversprechend, wurde zu einer Tragödie und entwickelte sich dann erst langsam.
Mit 16 Jahren war er Gewinner des »Europäischen Jazzfestivals«. Mit 23 folgte er seiner inneren Stimme und ging nach USA. »Als Moslem musst Du nach Mekka. Für den Musiker ist Amerika das gelobte Land« sagt er. Von New York über Alabama nach Kalifornien führte ihn ein steiniger Weg. »Wenn Du in Amerika erfolgreich werden will, musst Du Dreck fressen können.«
Eines Tages rief ihn Zappa in Los Angeles unvermittelt um 7 Uhr morgens an: »Hi, this is Frank Zappa. I’m looking for a keyboard player. You want an audition?« Nach einer durchgespielten Nacht und drei Stunden Schlaf quälte sich Wolf den ganzen Tag durch Berge von »fast unspielbaren Werken« des Großmeisters. Am Abend hatte er den Job.
3 ½ Jahre und 7 Welttourneen später verließ Wolf die Band, wurde Studiomusiker in L. A. und kaufte sich ein gescheites Klavier, einen Bösendorfer Imperial, den er heiß liebt, und der bis heute die geilsten Klaviersounds bei seinen Produktionen liefert.
In den Studios spielte unser Landsmann mit allen großen Namen: Vinnie Colaiuta, Jeff Porcaro, David Paich, David Foster uvm. Als Produzent schaffte er in den kommenden Jahren acht Nr. 1 Hits in USA und legte den Grundstein für seine wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Wußten Sie, dass »Nightshift« von den Commodores oder »Sara« von Jefferson Starship aus der Feder von Peter Wolf stammen? In den letzten 10 Jahren schrieb Wolf vor allem Filmmusiken (Pretty Woman, Top Gun, Die Unendliche Geschichte, uvm.) und zwei mal die Musik für die Linzer Klangwolke, »Progression« und »Sense-ation«. Ob ihn
diese Entwicklung glücklich gemacht hat? Ich glaube nicht.
Mit seiner Frau Michelle hat Peter Wolf (53) vor einem halben Jahr eine Tochter bekommen, Ornella heißt die Kleine. Vielleicht hat auch sein kleiner Liebling dazu beigetragen, dass er sich wieder mal Gedanken gemacht hat, worum es ihm eigentlich geht. Jedenfalls sagt er heute: »Ich muss wieder live spielen, I am a pianoplayer!« Zurück zu den Wurzeln also will er. Aber kann er es noch?
»Ich verkomme im Studio, wenn ich nicht wieder auf der Bühne
spiele«, sagt er nach dem ersten Konzert der Österreich-Tour mit seiner neuen Band, während die Leute sich beim hinausgehen erzählen, wie toll das Konzert war. Im September spielte Wolf im Linzer Brucknerhaus, dem Festspielhaus in St. Pölten und in Götzis/Vorarlberg. Seine
Musikerkollegen sind Airto Moreira, Drums (u.a. Weather Report), Alfonso Johnson, Bass (u.a. Carlos Santana), Ben Lacy, Gitarre (DER Newcomer in USA) und seine Frau Michelle.
Bei jedem der Konzerte wurden sie mehr zu einer Band und für Wolf steht fest: »Ich werde live wieder kommen. Jedes Jahr zwei Tourneen, eine in USA und eine in Europa. Im Juni 2006 spielen wir die Festivals in Europa. Allerdings wird Airto Moreira nicht mehr dabei sein. Er ist 63 und gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe. Mein Drummer wird Vinnie Colaiuta, der beste Schlagzeuger der Welt.« Bis nächsten Sommer
soll eine CD (Universal) entstehen, damit sich die Leute die Musik mit nach Hause nehmen können. Warum die Leute ins Konzert gehen oder sich die CD kaufen sollen, fragten wir Peter Wolf: »Unsere Musik ist Jazz. Mit Melodien, das ist mir sehr wichtig. Wir haben eine fantastische Sängerin! Michelle singt wunderschöne Balladen. Ich werde mit meiner Band einen neuen Sound kreieren. Ich muss wieder auf die Bühne. Ich liebe es, live zu spielen – es hat mir so gefehlt.«
Bruno Weinberger
Ein tolles Konzert und frenetischer Applaus für Peter und Michelle Wolf mit Band im Linzer Brucknerhaus. Vlnr: Ben Lacy (git), Peter Wolf
(pi, keys), Michelle Wolf (voc & soul), Airto Moreira (dr & perc), Alfonso Johnson (bass)
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