- Neuer Eigentümer für Bösendorfer?
- Als 2001 die BAWAG unter Generaldirektor Elsner von Kimball USA das »Österreichische Kulturgut« Bösendorfer wieder nach Hause holte, ahnte niemand, dass sich ein neuer Vorstand nur fünf Jahre später von dem »patriotischen Investment« wieder trennen wollte.
Kurz nach der »Refco-Affäre«, einem Finanzdebakel, das die BAWAG 2005 erschütterte, übernahm Generaldirektor Zwettler öffentlich die Verantwortung und trat zurück. Sein Nachfolger wurde Universitätsprofessor (WU) Dr. Ewald Nowotny. Nach seinem Amtsantritt kamen erste Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Bösendorfer in Umlauf. Erste Dementis bestätigten sich nicht.
- Neuer BAWAG-Vorstand trennt sich von allen bankfremden Beteiligungen
- In den letzten Februartagen wurde von der BAWAG gegenüber den
Medien bestätigt, dass man sich von allen Beteiligungen trennen wolle,
die nicht zum Kerngeschäft einer Bank gehören. Dazu gehört auch
Bösendorfer.
- Einzig beständig scheint der Wandel
- In den letzten 15 Jahren wurde Bösendorfer von fünf verschiedenen Geschäftsführern geleitet. Dr. Rädler, der schon unter Hutterstrassers, den direkten Nachfolgern von Ludwig Bösendorfer gearbeitet hatte, wurde vom Kimball-Konzern 1966 als Geschäftsführer eingesetzt. Er übergab die Geschäfte bei seiner Pensionierung 1991 an Dr. Hilse, der
aus einem Schweizer Pharma-Konzern gekommen war. Dieser wurde 1994 von Amerikaner Kenneth Blum abgelöst. Als »Verjüngungskur« übernahm 1998 der Wiener Dr. Rudolf Arlt, die Geschäftsführung. Es gelang ihm unter anderem, die Medienpräsenz von Bösendorfer durch sein Engagement zu steigern. Nach der Übernahme von Bösendorfer durch die BAWAG 2002 erfolgte eine erneute Änderung: Die BAWAG
trennte sich von Arlt und berief den Oberösterreicher, Dipl.-Kfm. Manfred Aichinger, zum Geschäftsführer, der in den letzten Jahren wesentliche Sanierungsschritte inleitete. »Dass jeder dieser fünf Geschäftsführer seine eigene Art zu führen hatte, liegt auf der Hand. Kontinuität in der Geschäftsführung ist das, was Bösendorfer jetzt braucht.
Der nächste Chef sollte das mindestens eine Dekade machen.« – so die Meinung eines Insiders. - Verlixter Dollarkurs
- Der hohe Exportanteil, verbunden mit einem Dollarkurs, der rund ein Drittel weniger Geld in die Kassen von Bösendorfer brachte, ließ das Unternehmen in die roten Zahlen rutschen. Umstrukturierungsmaßnahmen im Personal und Anstrengungen, die Verkäufe der Produktion in nicht USA-Länder zu steigern, greifen erst langsam – ein schwieriger Prozess. Gar nicht hilfreich sind gerade jetzt Presseberichte,
die Bösendorfer in schlechtem Licht erscheinen lassen. Es geht
aktuell darum, einen geeigneten Nachfolger als Eigentümer und Geschäftsführer zu finden.
- Wer macht das Rennen um Bösendorfer?
- Wer ist der beste Mann?
Diese Frage wird Dr. Nowotny von der BAWAG in den nächsten Wochen bzw. Monaten klären müssen. Er wolle
das Unternehmen nicht an eine ausländische Konkurrenzfirma verkaufen, und es ginge ihm darum, einen Käufer zu finden, der das Unternehmen in Österreich weiterführt: »Die Unabhängigkeit von Bösendorfer muss gesichert sein. Ein bloßer Investor würde unsere Voraussetzungen nicht erfüllen. Da müssen Leute sein, die ein inhaltliches Engagement mitbringen.« Noch eine Aussage Nowotnys lässt aufhorchen: »Wir werden Bösendorfer nicht um jeden Preis abstoßen. Findet sich kein geeigneter Käufer, führen wir Bösendorfer selbst weiter.«
Derzeit werden entsprechende wirtschaftliche Unterlagen für
Investoren ausgearbeitet, die eine Grundlage für Angebote bieten sollen. Der Plan sieht vor, dass bis Juni alles über die Bühne gegangen, und ein neuer Eigentümer feststehen soll. - Gerüchte und Tatsachen
- Jetzt stehe ich erstmals vor der interessanten Situation, Autor und Akteur zu sein. Das lässt sich aber leider nicht ändern – ich versuche, das Beste daraus zu machen.
Es ist aktuell wenig Konkretes bekannt. Es soll eine Gruppe geben, die mit Geld aus China Bösendorfer kaufen will. Auch der ehemalige Geschäftsführer Dr. Rudolf Arlt wird immer
wieder genannt: Prominente Namen wie Rudi Klausnitzer kommen ebenso vor wie ehemalige Mitarbeiter von Bösendorfer. Auch verschiedene Investment-Gruppen und Betriebsberater und -sanierer bringen sich ins Spiel. Aber noch steht nichts fest. - Standpunktformulierung
- Es ist wahr, dass auch ich an der Zukunft von Bösendorfer Anteil nehme. Ich hatte diesbezüglich ein Gespräch mit Generaldirektor Dr. Ewald Nowotny. Seit bald 28 Jahren arbeite ich bei und für Bösendorfer – zuerst als Lehrling, dann als Klaviermacher und Konzerttechniker, seit 1995 als Repräsentant für Verkauf und Service in Oberösterreich.
Wir erwarten in den nächsten Wochen Unterlagen von der BAWAG.
Nach Erhalt werden diese geprüft. Wenn wir uns an dieses mächtige Projekt wagen, werden wir ein Angebot ausarbeiten und dieses mit unseren Vorstellungen für die Zukunftsabsicherung von Bösendorfer
dem Vorstand der BAWAG präsentieren. Wir werden unserer Pläne aber auch dem Wirtschaftsministerium und der Bundeswirtschaftskammer mit der Bitte um Unterstützung vorlegen. Die Entscheidung liegt dann bei der BAWAG. Bösendorfer muss am Standort erhalten bleiben und zwar unter österreichischer Führung. Das Unternehmen verfügt über fähige und hochmotivierbare Mitarbeiter mit einem einzigartigen Knowhow. Tradition bedeutet für mich nicht, die Asche unserer Vorfahren anzubeten, sondern das Feuer der Leidenschaft für Bösendorfer weiter zu tragen. - Die Jahrhundertchance
- Es gilt, die Herausforderungen der wirtschaftlichen Notwendigkeit anzunehmen, um dem österreichischen Kulturbotschafter Bösendorfer zu der globalen Marktstellung zu verhelfen, die ihm gebührt.
Dazu wird die Unterstützung von vielen nötig sein und unser Plan, mit einem bereits vorhandenen guten Team ein klare Strategie zu entwickeln und diese konsequent umzusetzen. Ich werde mich für Bösendorfer mit ganzer Kraft einsetzen. In welcher Position, wird von den sich entwickelnden Konstellationen abhängen. Eine Jahrhundertchance
kann sich auftun, es müssen nur die richtigen Leute ran.
Es geht hier nicht um mich oder sonst eine Person. Es geht um Bösendorfer.
Bruno Weinberger
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