Musikmagazin
Klavier-Testbericht des Weinberger Companion
Seit dem Sommer bietet die Firma Weinberger um 3.890 € ein neues Einstiegsmodell an, das Piano „Weinberger Companion“. Es wird als Rasteninstrument nach den Vorgaben der Firma Weinberger in Tschechien hergestellt und soll laut Herrn Weinberger „im Vergleich mit asiatischen Instrumenten auch viel Musik bieten“. Also ein Pianino, das mit einem Preis unter 4000 € speziell für den Musikschulbetrieb entwickelt wurde und dabei aber einen unverwechselbaren „österreichischen“ Klang bieten soll.
Pianist MMag. Gerhard Hofer ging beim Probespiel allen Details auf den Grund und verfasste einen sehr ausfühlichen Bericht über das neue Weinberger Klavier.
Der Klang
Umso gespannter war meine Erwartungshaltung beim ersten Kontakt mit dem Instrument. Das Testmodell war nicht schwarz poliert, sondern in Erle, und ohne der klassischen Konsolenausführung (Aufpreis 200 €), vermittelte aber insgesamt einen sehr ordentlich verarbeiteten Gesamteindruck.
Der Klang besticht nicht durch extrem ausgeprägte Brillanz, sondern hat seine besondere Stärke in der Wärme und Weichheit des Tons. Die Klangfarbe, die in allen Registern von der tiefen Basslage bis zum hohen Diskant relativ ausgewogen erscheint, vermittelt einen wirklich angenehmen, „samtigen“ Eindruck, der niemals zu spitz oder „klirrend“ wirkt. Das Klavier zeichnet sich für mich v.a. im leiseren Dynamik - Bereich durch einen zarten Klang und feine Abstufungsmöglichkeiten aus. Im Fortissimo - Bereich sind dem Klangvolumen des Instruments aufgrund der geringeren Höhe natürlich Grenzen gesetzt, die Basstöne haben aber trotzdem eine gute Tragfähigkeit.
Die Mechanik
Die Mechanik, bei der Teile der renommierten Fa. Renner verwendet werden, wirkt auf mich eigentlich sehr verlässlich: Schnelligkeit und Präzision entsprechen zwar natürlich nicht dem einer Flügelmechanik mit Doppelrepetition, sind aber für ein Pianino dieser Preiskategorie sehr zufriedenstellend und erlauben ein sensibles Klavierspiel ohne besonderen Kraftaufwand.
Der oft als Defizit festzustellende relativ geringe Tastenwiderstand ist mir bei diesem Modell nicht negativ aufgefallen, die Repetitionsmöglichkeiten sind aus meiner Sicht im oberen Bereich des Machbaren.
Klaviatur
Der Klaviatur kommt als Bindeglied zwischen dem Klavierspieler und der Mechanik eine wesentliche Bedeutung zu. Beim „Companion“ liegt die Spielhöhe (der Abstand vom Boden bis zur Tastenoberkante) etwas tiefer als bei vergleichbaren Fabrikaten anderer großer Marken, was aber speziell den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen beim Klavierspielen entgegenkommt.
Der Belag der Tastatur ist aus Kunststoff und für mich optisch eigentlich recht ansprechend. Speziell die schwarzen Tasten wirken etwas matter und weniger glatt als bei anderen Modellen (etwa Yamaha) und weisen daher eine sehr gute Griffigkeit auf, liegen also gut „in den Fingern“.
Pedale
Grundsätzlich sind die Pedale beim „Companion“ etwas höher angebracht als sonst üblich, was bei längerem Spielen durch den stärker abgewinkelten Fuß zu Problemen führen kann. An diesem Umstand wird aber laut Herrn Weinberger noch gearbeitet, die Pedale lassen sich auf Wunsch auch noch etwas tiefer legen. Eine höhere Unterlage unter den Pedalen kann natürlich ebenfalls Abhilfe verschaffen. Der Pedalwiderstand erscheint mir persönlich auch etwas größer zu sein als bei anderen vergleichbaren Modellen.
Ansonsten funktioniert die Dämpfung ausgezeichnet, für mich ist kein gravierender Unterschied zu anderen, weitaus teureren Pianos feststellbar. Das linke Pedal lässt bei festerem Niederdrücken die Tastatur etwas mitvibrieren, ist aber so eingestellt, dass eine hörbare klangliche Differenzierung gegeben ist.
Fazit
Das Modell „Weinberger Companion“ ist aufgrund der beschriebenen mechanischen und klanglichen Qualitäten im Vergleich zu anderen etablierten, namhaften Fabrikaten absolut konkurrenzfähig, wenn nicht mehr als das: Durch den warmen, weichen und samtigen Klang kommt es der Zielvorstellung eines „österreichischen“ Klangbildes wahrscheinlich näher als viele andere Instrumente der gleichen Preiskategorie und bietet wirklich, wie eingangs erwähnt, schon sehr viel Musik zu einem günstigen Preis.
Bezüglich der Haltbarkeit und Langlebigkeit dieses Instruments, das erst seit dem Sommer auf dem Markt ist, gibt es natürlich noch keine Erfahrungswerte - dieser Punkt bleibt Vertrauenssache in die Marke und den Händler.
Mir hat es auf jeden Fall großen Spaß gemacht, den neuen „Companion“ zu testen, und ich kann mir gut vorstellen, dass er für viele Schüler/innen ein verlässlicher Klavier-Begleiter sein wird.
MMag. Gerhard Hofer
Fachgruppenleiter Tasten im Oö. Landesmusikschulwerk
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