- Holger P. schrieb:
- Liebe Frau Ursula!
Ich spiele schon zwei Jahre Klavier und habe heute aus reiner Neugier den oberen Deckel meines Pianinos aufgemacht und reingeschaut. Ich wollte mir mal ansehen, wie diese Filzhämmerchen auf die Saiten anschlagen. Ich bin auch auf das rechte Pedal gestiegen, um zu sehen, was sich da bewegt. Dabei ist mir aufgefallen, dass in meinem Klavier bei den hohen Tönen 17 Dämpfer fehlen!
Zuerst war ich total entsetzt, weil unser Klavier erst zwei Jahre alt ist und ziemlich teuer war. Aber andererseits ist mir dieser Mangel beim Spielen nie aufgefallen und es sieht auch nicht so aus, wie wenn da jemand was entfernt hätte. Ich sende Ihnen ein Foto mit, worauf man das Problem genau erkennen kann. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich bitte Sie um Ihren Rat.
- Frau Ursula antwortet:
- Lieber Holger!
Du bist ja ein ganz schlaues Kerlchen. Ich finde Deine Neugier toll, denn Du sprichst mit Deiner Frage ein wichtiges Thema an, das alle Klavierspieler betrifft: Die Abdämpfung der klingenden Töne nach dem Loslassen der Taste. Deshalb ein Danke für Deine intelligente Frage und das Foto.
Gleich vorweg, mit Deinem Klavier ist alles in Ordnung. Die letzten, ganz hohen Töne benötigen keine Abdämpfung mehr, weil die Saiten nicht so lange schwingen, dass sie eine Abdämpfung benötigen. Deshalb gibt es dort auch keine Dämpfer mehr. Das ist übrigens auch beim Flügel nicht anders.
Als gelernte Pädagogin bin ich in diesem Falle aber technisch überfragt, deshalb habe ich einen Klaviermacher und Tüftler aus dem „Schwabenland“ gefragt. Der Mann ist bekannt für ausführlichste, ja fast mitreißende Beschreibungen, die den Rahmen meiner Kolumne leider sprengen würden. Daher hier eine Kurzfassung des Spezialisten:
„Die zu bremsende Schwingungsenergie der Saiten nimmt logarithmisch zum Diskant hin ab. Daher sind bei Klavieren im Bass und Mittelfeld zumeist drei Dämpfungselemente pro Ton, im Diskant zwei Dämpfungselemente. Um einen möglichst harmonischen Übergang zu ermöglichen, kann man es auch ganz genau nehmen. Die Firma Pfeiffer beispielsweise verwendet bei den letzten Dämpfern (bei den hohen Tönen) nur noch ein Dämpfungselement. Und um es auf die Spitze zu treiben ist bei den Pfeiffer Klavieren für einen gleichmäßigen Übergang vom gedämpften auf ungedämpften Bereich, der letzte Filzdämpfer-Block auch noch schräg angeschnitten. Damit klingt von drei Saiten bereits eine nach.“
So, lieber Holger, ich hoffe, dass Dir die Sache nun klarer ist und wünsche Dir weiterhin viel Freude beim Klavierspielen!
Deine Ursula
Bei hohen Tönen werden bei Klavieren und Flügeln keine Dämpfer benötigt, weil die Schwingungsenergie der Saiten immer schwächer wird, je höher die Töne sind. Der letzte Dämpfer ist, je nach Pianomodell e3 bis g3.
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